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24. Februar 2017

IT-Architektur: Die wachsenden technologischen Defizite belasten Unternehmen

Laut einer aktuellen CIO-Studie der Managementberatung Bain & Company zum Thema "IT-Architektur im digitalen Zeitalter", weisen Banken, Versicherungen, Einzelhandels- und Konsumgüterunternehmen Defizite in ihrer IT-Architektur auf. Dabei steht gerade die IT-Architektur für den Erfolg jeder Digitalisierungsstrategie. Unter den Bankvertretern sehen 63 Prozent in den kommenden Jahren die Gefahr einer steigenden "technischen Schuld". In den Versicherungen befürchtet dies jeder zweite CIO, im Handel und der Konsumgüterbranche sind es jeweils etwa 40 Prozent. Weltweit 150 CIOs wurden für die Studie befragt und gaben Einblicke in ihre Herausforderungen und Lösungsansätze. 

"Die IT-Abteilungen erfüllen eine elementar wichtige Funktion, denn sie setzen viele Projekte parallel um und machen die Digitalisierung für die Kunden erlebbar", sagt Ingolf Zies, Studienautor und Leiter der Bain-Praxisgruppe Informationstechnologie im deutschsprachigen Raum. "Intern aber müssen sie sich vielerorts mit veralteten und zu komplexen Systemen auseinandersetzen." Bei der Frage nach dem aktuellen Zustand ihrer IT-Architektur, gaben rund ein Drittel der befragten CIOs an, dass sich mit der vorhandenen IT trotz der erzielten Erfolge und ungeachtet von geplanten Investitionen, künftige Unternehmensziele nicht erreichen lassen. Insbesondere Banken haben Defizite bei der voll automatisierten Abwicklung von Prozessen. Bei den Versicherern und im Handel gilt der nahtlose Omnikanal als Schwachpunkt. "Die CIOs wissen um die technische Schuld in ihren Unternehmen", so Zies. "Nicht zuletzt aufgrund von Budgetengpässen können sie jedoch oft keine konsequente Roadmap für die durchgängige Modernisierung ihrer IT-Architektur umsetzen." Vielmehr müssen IT-Verantwortliche ihr Budget zwischen Innovationen und der Pflege alter Systeme aufteilen. Laut Studie kann so nur noch jeder fünfte Euro in die Optimierung bestehender Legacy-Systeme fließen.

Darüber hinaus kämpfen zahlreiche Unternehmen mit den steigenden Betriebskosten: Bei 59 Prozent der Befragten haben sich diese in den vergangenen drei Jahren erhöht. Einen Anstieg der Kosten innerhalb der nächsten drei Jahre erwarten 77 Prozent der Studienteilnehmer. Dabei äußert sich der Handel besonders pessimistisch: Hier gehen 88 Prozent der CIOs davon aus, dass die Kosten weiter steigen. Nur wer in der Vergangenheit konsequent seine IT-Architektur modernisiert hat, erwartet rückläufige Betriebskosten. "Viele Unternehmen sehen ihre IT-Architektur als wachsende Hypothek auf die Zukunft, die für manche früher oder später zu einer großen Last werden kann", stellt Zies fest. Auf der einen Seite müssen die Unternehmen den neuen Kundenbedürfnissen mit digitalen Produkten oder Dienstleistungen entsprechen. Auf der anderen Seite kostet deren Entwicklung und Implementierung viel Zeit und Geld. 

Bain hat im Rahmen von Kundenprojekten und Studien 20 Thesen zur Zukunft der IT-Architektur erstellt, welche sich in acht Bausteine zusammenfassen lassen. Diese reichen von Infrastruktur über Plattformen, Sicherheit und Anwendungen bis hin zur Datenanalyse. Die Bausteine sollen Unternehmen dabei unterstützen, die IT-Architektur im laufenden Betrieb zu optimieren. Dazu können sie, je nach Dringlichkeit, an einem der acht Bausteine ansetzen. 

Laut Bain sollten z.B. Kundendaten noch besser genutzt werden. Viele Banken richten die Ausgestaltung der Kundenschnittstellen heute nach den Möglichkeiten und Grenzen von Tablets und Smartphones. Responsive Design ist dabei selbstverständlich, die Authentifizierung per Fingerabdruck innerhalb einer App gilt als gängiges Verfahren. So ziehen Finanzdienstleister bisher den größten Mehrwert aus den Kundendaten: Rund zwei Dritten der befragten Banken und Versicherungen nutzen vor und nach dem Kundenkontakt Analyse-Tools, um die Angebote noch passgenauer auf den Kunden zuzuschneiden. Konsumgüterhersteller ziehen Ihre Kundendaten bislang eher für nachgelagerte Analysen heran. "Dabei könnten sie in Zusammenarbeit mit dem Handel aus Millionen täglicher Transaktionen wertvolle Informationen über das künftige Kundenverhalten gewinnen", sagt Zies. Eine modernde und umfassende Dateninfrastruktur ist, neben lose gekoppelten Systemen, unerlässlich, um zukünftig Effizienzpotentiale aus künstlicher Intelligenz wie z.B. Machine Learning erheben zu können. 

Auch vom eigenen Rechenzentrum sollte man sich verabschieden. Laut der Studie arbeiten bereits heute 52 Prozent der Unternehmen an der Straffung ihrer Rechenzentren und der Konsolidierung ihrer Infrastruktur. Studienautor Zies: "IT-Infrastruktur kommt künftig wie Strom aus der Steckdose und ist überall und jederzeit verfügbar." Die stärkere Nutzung von Cloud-Diensten macht es möglich. Damit verbunden ist die Verlagerung von Anwendungen, Plattformen und auch Sicherheitslösungen in die Cloud. As-a-Service Konzepte helfen den Unternehmen ihre IT-Architektur gleichzeitig zu standardisieren und zu beschleunigen. So soll sich der Markt von Platform-as-a-Service-Lösungen auf ein Volumen von 23 Milliarden US-Dollar verdoppeln. Eine höhere Geschwindigkeit im Betrieb und in der Entwicklung ergibt sich auch durch die Aufspaltung komplexer Anwendungen in einzelne Bestandteile: weg von Softwaremonolithen, hin zu Microservices. So setzen derzeit 71 Prozent der Befragten auf lose gekoppelte Systeme - nur im Handel hält noch ein Drittel an integrierten Systemen fest.

Alle Technologien sind vorhanden, um die IT durchgängig zu beschleunigen. Durch eine (micro-)serviceorientierte IT-Architektur lassen sich Veränderungen erheblich schneller umsetzen als noch vor wenigen Jahren. "Überwindet die IT die Defizite in der bestehenden Architektur, stärkt das ihre Position in den Unternehmen entscheidend", ist sich Zies mit Blick auf die digitalen Vorreiter sicher. "Die Weiterentwicklung der IT-Architektur muss zu den Top-Prioritäten der Führungsebene zählen. Umfangreiche Investitionen sind unumgänglich." Die IT wird somit schritt für Schritt zum Treiber der digitalen Revolution.

Hinweise zur Studie
Für die Studie hat sich Bain & Company mit dem Stand der Modernisierung der IT-Architektur bei führenden Unternehmen in unterschiedlichen Branchen auseinandergesetzt. Dazu wurden mehr als 150 IT-Entscheider aus Banken, Handel, Konsumgüterindustrie sowie Versicherungen über den Status quo und ihre Pläne befragt. Die Befragten arbeiten für europäische oder US-Konzerne, mit einem Jahresumsatz von mehr als drei Milliarden Euro. In die Studie sind ebenfalls Ergebnisse einer in 2015 unter mehr als 250 Vorständen größerer europäischer und nordamerikanischer Finanzdienstleister durchgeführten Studie zur laufenden Transformation ihrer IT eingeflossen. Auch die Erfahrungen aus zahlreichen IT-Transformationsprojekten in verschiedenen Branchen wurden in der Studie berücksichtigt. Im Gespräch mit führenden Technologieunternehmen wurden sämtliche Ergebnisse validiert und um Best-Practice-Beispiele ergänzt. So entstand ein umfassendes Bild hinsichtlich der Herausforderungen und Chancen bei der Weiterentwicklung der IT-Architektur. 

LB

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