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05. März 2018

Künstliche Intelligenz fliegt ins All

Im Juni 2018 wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst zu seiner zweiten sechsmonatigen Mission zur internationalen Raumstation ISS aufbrechen. Dieses Mal hat er jedoch eine eher ungewöhnliche Unterstützung mit an Bord: das Assistenzsystem CIMON.

CIMON basiert auf der Grundlage der künstlichen Intelligenz "Watson" der US-Firma IBM. Als Watson im Jahr 2011 durch die US-Quizshow "Jeopardy!" bekannte wurde, weil das System seine menschlichen Konkurrenten mit Leichtigkeit besiegte, war es noch ein unsichtbares Computersystem. Heute sieht das ganz anders aus: Jetzt verfügt es über einen Körper, ein Gesicht und eine eigene Stimme – und den neuen Namen CIMON.

CIMON ist eine ungefähr Medizinball-große weiße Kugel, die rund fünf Kilogramm schwer ist. Die Hülle von CIMON besteht aus Kunststoff und Metall, welches von einem 3-D-Drucker hergestellt wurde. Das Gesicht wird auf einem Display an der Oberfläche angezeigt und soll den Astronauten das Gefühl von einem "echten Crewmitglied" vermitteln. Der Name ist eine Abkürzung für Crew Interactive MObile CompanioN und wurde von Airbus als intelligentes, mobiles und interaktives Astronauten-Assistenz-System im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt.  
Das System soll während der "Horizon-Mission" von Alexander Gerst erprobt werden. Er soll CIMON zunächst auf seine Funktionen hin überprüfen und anschließend bei drei geplanten Experimenten unterstützen. Gemeinsam werden sie mit Kristallen experimentieren, anhand von Videos den Rubik-Zauberwürfel lösen und ein komplexes medizinisches Experiment durchführen, bei dem CIMON als fliegende Kamera genutzt werden soll. 

Wie lernt CIMON?

Derzeit lernt die Watson-KI, wie sie sich verhalten soll. CIMON wird gegenwärtig zum Beispiel antrainiert, seine Umgebung und den menschlichen Interaktions-Partner zu erkennen. Auch die Stimme und das Aussehen von Alexander Gerst hat CIMON bereits gelernt, sodass er auf seine Anweisungen reagieren kann. Die Bereiche Text-, Sprach- und Bildverarbeitung gehören zu den Kerndiensten von IBMs Künstliche Intelligenz-System. Diese Fähigkeiten können im Kontext ihres jeweiligen Einsatzes individuell trainiert und weiter ausgebildet werden. Das Prinzip nachdem sie arbeiten ist: verstehen-schlussfolgern-lernen.

KI aus der Cloud

CIMON bezieht seine Referenzdaten für den KI-Algorithmus aus der Cloud, welche auf der Erde im Cloud-Storage liegt. IBMs Watson ist also bisher auf eine ständige Datenverbindung zwischen der Raumstation ISS und den Übertragungszentralen auf der Erde angewiesen. Laut IBM können dadurch allerdings Aufgaben und Workflows besser eingebunden werden. Ein weiterer Vorteil sei außerdem, dass für die Nutzer im Allgemeinen und besonders für den Einsatz auf der ISS, sensible, proprietäre Daten dortbleiben, wo sie anfallen, nämlich im geschützten Bereich eines eigenen Servers oder der eigenen Datenbank.

Assistenzsystem mit Zukunft

Langfristig sollen Roboter wie CIMON Astronauten bei allen Routinearbeiten unterstützen und als eine Art Frühwarnsystem fungieren, indem sie Probleme und Lösungen erkennen oder sogar voraussagen. Dabei soll die soziale Interaktion zwischen Mensch und Maschine mit der Zeit gesteigert werden und für eine hohe Effizienz an Bord sorgen. Entwickler sind sich zudem sicher, dass Assistenzsysteme wie CIMON auch auf der Erde eine Zukunft haben werden, etwa in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

LG

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