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02. April 2019

Google KI-Ethik-Rat: Mitarbeiter unterzeichnen ersten Protestbrief

Google hat ein Ethik-Team aus acht Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammengestellt, das in Zukunft die selbst auferlegten KI-Regeln des Unternehmens durchsetzen soll.

Im vergangenen Jahr stellte Google bereits Richtlinien zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz auf. Dabei soll es vor allem darum gehen, ethische Probleme zu lösen. Besonders in Punkto Einsatz von Gesichtserkennungssoftware und beim Schutz der Privatsphäre sieht sich das Unternehmen herausgefordert. Ein weiterer wichtiger Punkt soll sein, die Gleichberechtigung beim Training von Machine-Learning-Systemen stärker zu berücksichtigen. Nun sollen Googles KI-Regeln in der Praxis bestehen. Eine Gruppe von Spezialisten aus einem wissenschaftlichen Umfeld, die als Advanced Technology Eternal Advisory Council (Ateac) bezeichnet werden, soll im Jahr 2019 vier Tagungen abhalten und Google bei der Umsetzung helfen. Bereits im April 2019 wird die erste Sitzung stattfinden.

Wer ist im Team?

Im Team befinden sich Informatiker, Diplomaten und Ökonomen. Die Teammitglieder haben den Anspruch, Experten in den Bereichen Wirtschaft, Privatsphäre, computergestützte Mathematik, Spracherkennung, Musiktechnik, Psychologie, KI-Ethik und Politik zu sein. In einem Blog-Post von Google stellen sich die fünf Männer und drei Frauen näher vor. "Diese Gruppe wird einige von Googles komplexesten Herausforderungen berücksichtigen, die unter den KI-Prinzipien auftreten", schreibt Kent Walker, Googles Bereichsleiter für globale Beziehungen. Die Erkenntnisse und Ergebnisse des Rats sollen anschließend nicht nur für die eigenen Produkte genutzt werden, sondern mit Partnern und Organisationen weltweit geteilt werden.

Protest aus den eigenen Reihen

Nach der Gründung des Rats haben bereits etwa 1.000 Google-Mitarbeiter einen Protestbrief unterschrieben. Ihr Protest richtet sich gegen zwei der Teammitglieder. Die Unterzeichner werfen Google vor, eine Klimawandel-Leugnerin und eine Militärunternehmerin in den Rat aufgenommen zu haben. Der Vorwurf gilt dabei zum einen Dyan Gibbens, CEO von Trumbull, einem Unternehmen, das autonome Systeme für die Militärindustrie entwickelt und Kay Coles James, Präsidentin der Heritage Foundation. Die Heritage Foundation ist eine der politisch einflussreichsten Denkfabriken Nordamerikas und stimmt öffentlich gegen CO2-Regulationen. Zudem sind sie dafür bekannt, eine harte Linie gegen Zuwanderung und gegen den Schutz der LGBTQ-Minderheit zu fahren.

"Mit der Wahl von Kay Coles James macht Google deutlich, dass die Nähe zur Macht wichtiger ist, als das Wohlbefinden von Trans-Personen, LGBTQ-Menschen und Zuwanderern", heißt es im Protestbrief der Google-Mitarbeiter. Sie sehen vor allem Randgruppen als unterrepräsentiert und fürchten eine Verhärtung der existierenden Vorurteile in der Gesellschaft. "Eine KI, die Trans-Personen nicht erkennt, feminine Stimmen nicht hört und farbige Frauen nicht sehen kann und eine KI, die die polizeiliche Überwachung verstärkt und Einwanderungsprofile erstellt", heißt es dort weiter. Sie fordern, dass statt James und Gibbens "der Rat mit Vertretern gefährdeter Gemeinschaften besetzt werden soll".

LG

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