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06. März 2019

Das Recht auf Homeoffice

In Deutschland könnten nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) derzeit 40 Prozent der Beschäftigten von zuhause aus arbeiten, doch nur zwölf Prozent bekommen es vom Vorgesetzten genehmigt. Ein Gesetz soll nun her, welches unter bestimmten Bedingungen ein Recht ein Homeoffice festschreibt.

"Ich werde ein Recht auf Homeoffice auf den Weg bringen, das die Balance von Sicherheit und Flexibilität wahrt", äußerte sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Heil verweist dabei auf den Koalitionsvertrag, in dem mehr Spielraum für Familienzeit vereinbart sei. Auch SPD-Chefin Andrea Nahles hatte sich positiv zu den neuen gesetzlichen Grundlagen geäußert.

Zu schützen seien weiterhin die Beschäftigten, sodass Unternehmen oder Firmen nicht einseitig von den Beschäftigten verlangen können im Homeoffice zu arbeiten. Diese Entscheidung ergebe sich nicht aus dem Weisungsrecht. Außerdem sind Arbeitnehmer*innen arbeitsvertraglich nicht dazu verpflichtet, die angebotene Telearbeit zu verrichten. Wenn die Person sich weigert, darf ihr deswegen nicht gekündigt werden. Über diese Gesetzeslage informiert die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) und weist auf eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg.

Nur Vorteile beim Homeoffice?

Flexibel Zeiteinteilung, kein Großraumbüro, kein langes Pendeln: Arbeiten im Homeoffice ist für viele Beschäftigte ein großer Vorteil. Auch die Arbeitgeber profitieren. Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung machen sowohl Männer als auch Frauen mehr Überstunden am heimischen Schreibtisch.

Studie: Traditionelle Rollenbilder werden bedient

An einem wesentlichen Punkt in der Studie unterscheiden sich jedoch die Gemeinsamkeiten der Geschlechter. Denn während Frauen sich mehr um die Kinderbetreuung kümmern, orientieren sich Männer an ihrer Karriere. Diese Beobachtung lässt sich anhand der Grundlage von 30.000 Interviews der Hans-Böckler-Stiftung festhalten. "Mütter investieren pro Arbeitswoche knapp drei Stunden mehr in Kinderbetreuung, wenn sie im Homeoffice arbeiten", stellt Arbeitsforscherin Yvonne Lott in der veröffentlichten Studie fest. Im Durchschnitt kommen Frauen dabei auf 21 Stunden Kinderbetreuung in der Woche. Bei den Männern sieht das anders aus. Mit durchschnittlich knapp 13 Stunden Kinderzeit ändere sich im Gegensatz dazu in Sachen Betreuung so gut wie nichts, wenn sie zuhause statt im Büro arbeiteten.

Laut Wissenschaftlerin Lott machen Väter hingegen durchschnittlich im Homeoffice vier Überstunden in der Woche, Mütter arbeiteten eine knappe Stunde länger. "Flexibles Arbeiten geht insgesamt eher zu Lasten der Beschäftigten, und ganz besonders gilt das für Mütter."

Wann kommt das Gesetz?

Noch in diesem Jahr soll ein entsprechendes Gesetz zur Regelung durchgebracht werden. "Die Studie unterstreicht, dass wir für eine faire Gestaltung von Homeoffice in Deutschland einen verlässlichen Rechtsrahmen brauchen", äußert sich Staatssekretär Björn Böhning (SPD).

LG

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