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28. März 2019

Ein Gütezeichen für KI

Im Supermarkt zeigen uns Gütesiegel, ob ein Produkt etwa aus einem biologischen Anbau kommt oder nachhaltig hergestellt wurde. Um das Vertrauen zu Künstlicher Intelligenz in Deutschland zu stärken haben gleich mehrere Firmen ein neues Gütesiegel ins Leben rufen.

Über 50 Unternehmen in Deutschland haben ein gemeinsames Gütesiegel für Künstliche Intelligenz eingeführt. Sie wollen damit signalisieren: Wir berücksichtigen Ethik, Transparenz und Datenschutz. Hinter dem Gütesiegel steht der Bundesverband KI, ein Zusammenschluss von Unternehmen, darunter in erster Linie Start-ups, die von der Entwicklung oder vom Einsatz von maschinellem Lernen profitieren. Jörg Bienert, Vorstand des Bundesverbands KI, erklärte, für das Gütezeichen hätten sich KI-Experten aus praktischer Sicht mit den Themen Datenethik und Datenschutz auseinandergesetzt. "Das Ergebnis ist, dass die innovativen KI-Unternehmen in Deutschland diese Prinzipien als Stärke des Standorts Deutschland sehen und nicht als Nachteil", fügt Bienert hinzu.

Wer bekommt das Gütesiegel?

Das Siegel ist zunächst eine Selbstverpflichtung, das heißt, wer es für ein Produkt haben möchte, unterschreibt, dass er bestimmte Standards einhält. Diese Standards beinhalten die ethischen Auswirkungen des Produktes, den Umgang mit Daten und zeigt einen transparenten Weg der Prozesse. Doch wer prüft diese Selbstverpflichtung? In einer Stellungnahme sieht der Verband vor, dass geschultes Personal die Produkte auf Unstimmigkeiten überprüft. Darin steht: "Die Ergebnisse der Bias-Erkennung sind in regelmäßigen Abständen zu dokumentieren, unabhängig davon, wie ein Unternehmen sich entscheidet, mit dem Bias umzugehen." Dass ein Produkt, bevor es auf den Markt kommt, geprüft wird, wird nicht erwähnt.

Gut gedacht, aber nicht ausgereift?

Katharina Zweig, die als Universitätsprofessorin den Fachbereich Informatik an der TU Kaiserslautern leitet und in der Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz des Bundestages sitzt, findet das Gütesiegel "gut gelungen". Jedoch räumt sie gegenüber dem Online-Portal Netzpolitik.org ein: "Das Siegel ist kein unabhängiges, von Expert*innen verliehenes Qualitätsurteil, sondern eine Selbstverpflichtung der Unternehmen, im Grunde eine Absichtserklärung, mit der sie bestätigen: Diese Werte und Kriterien sind uns wichtig und wir bemühen uns, sie einzuhalten." Deshalb gilt zunächst für das neue Siegel des KI-Verbandes: Eine unabhängige Überprüfung, ob Unternehmen sich an die Auflagen halten, oder Sanktionen, wenn sie sich darüber hinwegsetzen, sind zunächst nicht vorgesehen.

LG

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