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Andreas Lehner 18. Oktober 2016

Fünf Must-haves für die User Experience im Internet of Things

20 Milliarden Dinge sollen in knapp vier Jahren digital vernetzt sein. Das entspricht 26 smarten Dingen pro Person [1]. Die physische Welt verschmilzt mit der digitalen Welt in allen Bereichen des privaten und wirtschaftlichen Lebens. Jedes beliebige Objekt ist potenziell vernetzbar und als Datenquelle oder Interface in einem Verbund von verschiedenen Objekten und Geräten einsetzbar. Wer Services oder Produkte für das Internet of Things (IoT) entwickelt, ist somit mit einer stark erhöhten Komplexität konfrontiert. Diese Komplexität gilt es zu reduzieren.

Eine disziplinübergreifende Zusammenarbeit zwischen Technologie, Business und Experience Design ist deshalb mehr denn je erforderlich, um konsistente und nutzbare IoT-Anwendungssysteme zu erzeugen. In diesem Artikel gebe ich einen Überblick über grundlegende Komponenten, die in der ganzheitlichen und holistischen Entwicklung von UX für IoT-Anwendungen berücksichtigt werden sollten.

Vom Responsive Design lernen

Responsive Design und die Ausgabe auf unterschiedlichen Endgeräten und Bildschirmgrößen ist gut erforscht und erprobt. Dennoch ist es notwendig, dass Webentwickler Unterschiede in der Konzeption und Planung berücksichtigen, um Code zu entwickeln, der richtig auf den entsprechenden Kontext reagiert. Meist reicht es aus, drei Bereiche zu berücksichtigen: Smartphone, Tablet, Desktop. Das sind aber nur Bildschirmgrößen. Unterstützt denn jeder Browser die App, ihre UI und Schnittstellen gleichermaßen? Und wie ist es mit dem Betriebssystem des Endgerätes: Android, iOS, Windows. Bereits das mittlerweile konventionelle Umfeld der Web-App-Entwicklung demonstriert, wie sich die Komplexität durch die Beteiligung von mehreren, unterschiedlichen Geräten und Systemen drastisch erhöhen kann.

Was bedeutet das nun für IoT-Services und -Produkte, für die ein Vielfaches an Objekten in ein einheitliches System integriert werden soll? Fünf Aspekte, die Entwickler hier unbedingt auf dem Schirm haben sollten, habe ich im Folgenden für Sie zusammengefasst.

Fünf Must-haves für das Lösungsdesign von IoT-Services und -Produkten

Für erfolgreiche IoT-Anwendungen sind diese fünf Aspekte besonders wichtig:

1. Interdisziplinäre Teams

Eine enge Zusammenarbeit zwischen allen an der Entwicklung beteiligten Parteien ist zwingend notwendig. Die wesentlichen Parteien werden sein: Business, Technologie und Designer. Agile Methoden und ein iteratives Vorgehen können helfen, die Komplexität gering zu halten und Schritt für Schritt eine optimale und fehlerfreie Lösung zu entwickeln.

2. User Interfaces und Interaction Design

Die Benutzerschnittstellen beschränken sich nicht mehr nur auf die gängigen Formen von Weboberflächen mit Ein- und Ausgabedialogen. Neue Schnittstellen werden wichtiger, wie etwa:

  • Audio und Sprache
  • Tangible User Interfaces, um mit den smarten Dingen physisch zu interagieren
  • Schnittstellen, die über Gesten gesteuert werden
  • Schnittstellen ohne aktive Benutzereingabe, die nur einen bestimmten Status anzeigen oder Anweisungen bzw. Hinweise geben
  • Kontextsensitive Schnittstellen, die ihren Zustand an den entsprechenden Kontext anpassen

3. APIs

Daten von Sensoren und Endgeräten bilden das Herz der IoT-Anwendung. Um die Daten aufzubereiten und entsprechend an den Empfänger zu liefern, sind APIs unbedingt erforderlich. Die definierten APIs sind wesentlicher Treiber der Art und Weise, wie der Benutzer den Service oder das Produkt erfährt. APIs geben den Rahmen und den Prozess vor, den ein Benutzer im IoT-System geht.

4. Testen

Testen kann sich als sehr schwierig erweisen. Die vielen Abhängigkeiten zwischen Software, Hardware und der Vereinigung zwischen physischer und digitaler Welt bereiten besondere Schwierigkeiten. Was für das Testen von Software klar geregelt ist, fehlt im Bereich IoT weitgehend. Aus UX-Sicht lassen sich benutzerzentrierte Methoden wie etwa Rollenspiele oder Story Boards nutzen, um iterativ optimale Lösungen zu gewährleisten und böse Überraschungen am Ende zu vermeiden.

5. Fehlerbehandlung

Fehlerquellen lauern an jeder Stelle einer IoT-Anwendung. Netzwerkstörungen, Verbindungsabbrüche und komplette Ausfälle von Objekten sind Beispiele gängiger Fehlerquellen. Durch die Vernetzung der Objekte untereinander kann sich ein Fehler schwerwiegend auswirken. Bestimmte Fragestellungen – zum Beispiel, wie die Fehlerbehandlung an den Benutzer kommuniziert wird – sind die Grundlage für eine konsistente IoT-Benutzererfahrung und -Benutzerakzeptanz. 

Fazit

IoT bedeutet für die Entwicklung von Services und Produkten ein neues Maß an Komplexität. Die Vernetzung unter den vielen Einzelkomponenten erfordert einen holistischen und umfassenden Ansatz in der Entwicklung von Lösungen. Verglichen mit dem gut erprobten Bereich der Webentwicklung steckt IoT beim Thema Standards noch in den Kinderschuhen. Die fünf genannten Must-haves sollten dabei helfen, zentrale Aspekte im Lösungsdesign zu berücksichtigen.

Ihnen sind weitere Aspekte für die UX in IoT Projekten wichtig? Dann nennen Sie mir diese gerne. Ich bin offen für eine Erweiterung der Must-haves und möchte die besten Anregungen, die mich erreichen, schon bald in eine Top-10-Liste einfließen lassen.

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Autor

Andreas Lehner

Andreas Lehner arbeitet an der Entwicklung von herausragenden Benutzererfahrungen im Umgang mit neuen Technologien im Business-Kontext.
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