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Dr. Miriam Schleipen 06. September 2016

OPC UA und AutomationML in der Industrie 4.0-Begriffswelt

Die Industrie befasst sich weltweit seit einiger Zeit intensiv mit dem Thema Zukunftsstrategie – unter Anderem unter dem Schlagwort Industrie 4.0 [1] oder Industrial Internet. Das "Internet of Things" ist dabei nur ein Aspekt. Im VDI-GMA Fachausschuss 7.21 "Industrie 4.0" [2] wird seit 2013 in der Arbeitsgruppe Begriffe [3]  an einem einheitlichen Verständnis der grundlegenden Begrifflichkeiten (Terminologie) von Industrie 4.0 gearbeitet. Dabei wird im Idealfall auf bestehenden Normen und Standards aus den Bereichen IKT und Produktion aufgesetzt. Die Arbeitsgruppe gleicht aber auch kontinuierlich mit anderen Glossaren, z. B. des Industrial Internet Consortiums (IIC), ab.

Der Prozess, um im Konsensverfahren zu definierten Begriffsdefinitionen zu gelangen, ist dabei immer einheitlich [4]. Im November 2015 wurden 41 Begriffsdefinitionen veröffentlicht [5], die unterschiedliche Entwicklungsstadien und Qualitätsstufen durchlaufen hatten. Viele weitere sind aktuell in Arbeit. Der aktuelle Diskussionsstand, aber auch der Arbeitsplan der Gruppe Begriffe, ist im Internet in einem Wiki öffentlich zugänglich [6], um für Transparenz zu sorgen und allen Arbeitsgruppen der Plattform Industrie 4.0 jederzeit Zugang zu gewähren. Da das Thema Industrie 4.0 und zugehörige Modelle und Konzepte noch in Arbeit ist, werden Begriffsdefinitionen auch immer wieder angepasst, sofern aus den Arbeitsgruppen der Plattform Industrie 4.0 oder aus Fachgruppen des ZVEI oder VDI entsprechender Input erfolgt.

Zu vielen der Begriffen existiert in den Köpfen der beteiligten Ingenieure und Informatiker bereits ein Bild, das sich häufig aber – z. B. durch die Fachrichtung geprägt – stark unterscheidet. Dabei liegen dem Erfahrungsschatz auch verschiedene Modelle zu Grunde.

  • Ein Modell ist in diesem Zusammenhang eine "schlüssige, ausreichend detaillierte Abstraktion von Aspekten in einem Anwendungsbereich" [5].

Manche Begriffe, z. B. die Industrie 4.0-Komponente (oder auch I4.0-Komponente), werden aber auch völlig neu definiert. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (kurz: RAMI4.0) [7], dargestellt in Abb.2, das nun in der DIN SPEC 91345 [8] in Richtung Normung weiterentwickelt wurde.

  • RAMI4.0 dient als Referenzarchitektur, also als ein "Modell für eine Architekturbeschreibung (für Industrie 4.0), die allgemein genutzt wird und als zweckmäßig anerkannt ist (Referenzcharakter hat). Eine Referenzarchitektur kann auf Basis eines Referenzmodells definiert werden" [5].
  • Ein Referenzmodell ist ein "Modell, das allgemein genutzt wird und als zweckmäßig anerkannt ist (mit Empfehlungscharakter), um spezifische Modelle abzuleiten" [5].

RAMI4.0 wurde entwickelt, um als strukturierte Beschreibung von grundlegenden Ideen zu dienen. Es basiert auf bereits existierenden internationalen Standards, z. B. der IEC 62264. Dabei werden der Lebenslauf und die Architektur von technischen Gegenständen (Assets) mit organisatorischen Hierarchien dreidimensional in Relation gesetzt. Auf der vertikalen Achse des RAMI4.0 sind die sechs Schichten der IT-Repräsentation von Industrie 4.0-Systemen (kurz: I4.0-Systemen) und deren Komponenten verankert. Diese sind:

  1. Asset: Repräsentation der Realität, z. B. technischer Gegenstand,
  2. Integration: Bereitstellung der rechner-verarbeitbaren Informationen der Assets,
  3. Communication: Vereinheitlichung der Kommunikation, unter Verwendung eines einheitlichen Datenformats,
  4. Information: Laufzeitumgebung für die Ereignis(vor)verarbeitung,
  5. Functional: Laufzeit- und Modellierungsumgebung für Dienste, die Geschäftsprozesse unterstützen,
  6. Business: Geschäftsmodelle und der sich daraus ergebende Geschäftsprozess. Hier wird die Integrität der Funktionen in der Wertschöpfungskette sichergestellt.

Auch wenn es für Industrie 4.0 nicht einen einzigen Standard gibt (und voraussichtlich auch in Zukunft nicht geben wird) und das RAMI4.0 selbst auf mehreren internationalen Standards basiert, werden aktuell dennoch anwendbare Standards für Industrie 4.0 untersucht. In RAMI4.0 wurden daher nur Kandidaten genannt. Unter anderem sind dies OPC UA (IEC 62541) für den Communication Layer und AutomationML (IEC 62714) für das Engineering über den Lebenszyklus hinweg. Diese beiden Standards haben vieles gemeinsam. Beide setzen sich unter anderem für möglichst viel Offenheit ein. Offenheit im Sinne von

  • Zugänglichkeit: OPC UA und AutomationML erlauben die Nutzung der Standards entstehende Nutzungskosten. Es besteht kein Zwang für eine Vereinsmitgliedschaft oder andere Verpflichtungen, wie z. B. eine Anzeigepflicht, dass AutomationML oder OPC UA genutzt werden.
  • Harmonisierung mit anderen Standards:
    • OPC UA bietet mit den Companion Specifications eine Möglichkeit, andere Standards in das Informationsmodell zu integrieren. Dabei kann zwischen Modelldefinition und Mapping unterschieden werden:
      • OPC UA definiert Informationsmodelle für die allgemeine Beschreibung von Geräten [9].
      • OPC UA definiert Mapping-Regeln, die beschreiben, wie AutomationML-Modelle in ein OPC UA Informationsmodell transformiert wird [10].
    • AutomationML bietet verschiedene Möglichkeiten an, um Verbindungen zu anderen Standards zu schaffen:
      • AutomationML unterstützt die Integration anderer Dateiformate z. B. für Logik oder Geometrie und definiert normative Regeln, wie dies zu realisieren ist [11].
      • AutomationML unterstützt die Verlinkung externer Beschreibungen, z. B. Dokumentation in Form von PDF oder alternative Geometrieformate wie STEP und definiert in einer Best Practice Recommendation, wie dies zu realisieren ist [12].
      • AutomationML gibt die Möglichkeit, Attributen eine externe Semantik zuzuordnen. Hierfür werden in einem Whitepaper Regeln definiert, wie dies zu realisieren ist [13].
  • Bereitstellung von Hilfen:
    • OPC UA stellt mit den Nodesets die Basis für das Informationsmodell zur Verfügung. Mit Beispielcode und Programmierhilfen in Form von Stacks, werden die Entwickler auch während ihrer Arbeit unterstützt. Weiterhin werden mit dem CTT (Conformance Test Tool) und der Zertifizierung auch nach erfolgter Entwicklung die Entwickler und Anwender unterstützt.
    • AutomationML stellt mit den Bibliotheken die Basis für die Datenmodellierung zur Verfügung. Mit Entwicklerbeispielen, einem grafischen AMLEditor und Programmierschnittstellen in Form der AMLEngine, werden die Entwickler während ihrer Arbeit unterstützt. Auch bei AutomationML gibt es Unterstützung nach erfolgter Modellierung in Form von Tests im AMLEditor und der AMLEngine oder dem AMLTestCenter des Fraunhofer IOSB.

Weiterhin ist der Aufbau und die Arbeitsweise der I4.0-Komponente in der DIN SPEC 91345 [8] als Referenzmodell für technische Gegenstände (Assets) mit ihren virtuellen Repräsentationen in I4.0-Systemen enthalten. So kann das Asset mit all seinen relevanten Eigenschaften und Aspekten in allen Phasen des Lebenszyklus durch die I4.0-Komponente repräsentiert werden.

Ein Ziel von I4.0-Systemen bzw. CPPS (Cyber Physical Production Systems) und damit auch dem RAMI4.0 sowie der I4.0-Komponente, ist die Realisierung einer intelligenten Produktion (Smart Production). Der Zusammenhang zwischen den genannten Begriffen ist in Abb.3 dargestellt.

  • Die Smart Production ist der "Dialog zwischen Smart Factory und Smart Product." [5]
  • Die Smart Factory ist eine "Fabrik, deren Integrationsgrad eine Tiefe erreicht hat, die Selbstorganisationsfunktionen in der Produktion und in allen die Produktion betreffenden Geschäftsprozessen ermöglicht. Das virtuelle Abbild der Fabrik ermöglicht intelligente Entscheidungen. Ziel ist die Steigerung von Effizienz, Effektivität, Flexibilität und/oder Wandlungsfähigkeit." [5]
  • Ein Smart Product ist ein "hergestelltes oder gefertigtes (Zwischen-)Produkt, das in einer Smart Factory die Kommunikationsfähigkeit (nach außen) zur Vernetzung und intelligente Interaktion mit anderen Produktionsteilnehmern mitbringt. Das Produkt ist ein hergestellter oder gefertigter Artikel oder Halbzeug. Das digitale Abbild ist Teil der Produkt-Intelligenz und kann auf dem Produkt selbst, aber auch räumlich entfernt davon lokalisiert sein. Die eindeutige Identifikation und produktbezogene Informationen des Produkts ermöglichen die Verknüpfung des Produkts mit der Smart Factory." [5]
  • Ein Cyber-Physical Production System (CPPS) ist dabei definiert als ein "CPS, das in der Produktion eingesetzt wird." [5]
  • Ein Cyber-Physical System (CPS) ist ein "System, das reale (physische) Objekte und Prozesse verknüpft mit informationsverarbeitenden (virtuellen) Objekten und Prozessen über offene, teilweise globale und jederzeit miteinander verbundene Informationsnetze. Optional nutzt ein CPS lokal oder entfernt verfügbare Dienste, verfügt über Mensch-Maschine-Schnittstellen und bietet die Möglichkeit zur dynamischen Anpassung des Systems zur Laufzeit." [5]
  • Eine CPS-Plattform ist eine "Implementierung einer Kommunikations- und Systeminfrastruktur mit erforderlichen Management- und Produktivdiensten und definierten QoS(Quality of Service)-Eigenschaften zum effizienten Aufbau und der Integration von CPS für eine Anwendungsdomäne." [5]
  • Ein I4.0-System ist ein "System aus I4.0-Komponenten und Komponenten geringerer CP (Communication-Presentation)-Klassifizierung, das einem bestimmten Zweck dient, definierte Eigenschaften aufweist und standardisierte Dienste und Zustände unterstützt. Das System kann als Komponente in einem weiteren I4.0-System auftreten. Das I4.0-System muss eine Relation zur I4.0-Plattform definieren" [5]. Die meisten der aktuell beschriebenen Anwendungsfälle rund um Industrie 4.0 beinhalten mehr als eine I4.0-Komponente. Jeder dieser Anwendungsfälle "gruppiert" sich also um ein I4.0-System.
  • Die I4.0-Komponente ist ein "weltweit eindeutig identifizierbarer kommunikationsfähiger Teilnehmer bestehend aus Verwaltungsschale und Asset mit digitaler Verbindung (entspricht CP24, CP34 oder CP44) eines I4.0-Systems, der dort Dienste mit definierten QoS(Quality of Service)-Eigenschaften anbietet. Die I4.0-Komponente bietet für ihre Dienste und Daten einen der Aufgabe angemessenen Schutz. Eine solche I4.0-Komponente kann ein Produktionssystem, eine einzelne Maschine oder Station oder auch eine Baugruppe innerhalb einer Maschine repräsentieren." [5]
  • Die Kommunikationsfähigkeit bezeichnet dabei die "Art und Weise, wie mit einem Teilnehmer Daten ausgetauscht werden oder wie dieser Daten austauschen kann und ob der Teilnehmer Daten austauscht". [5]
  • Die Verwaltungsschale der I4.0-Komponente ist eine "Virtuelle digitale und aktive Repräsentanz einer I4.0-Komponente im I4.0-System. Eine Verwaltungsschale enthält das Manifest und den Komponenten-Manager." [5]
  • Das Manifest ist ein "extern zugänglicher definierter Satz von Metainformationen, der Auskunft über die funktionalen und nicht-funktionalen Eigenschaften der I4.0-Komponente gibt." [5]
  • Der Komponenten-Manager ist der "Organisator der Selbstverwaltung und des Zugriffs auf die Ressourcen der I4.0-Komponente, z.B. I4.0-Komponente, Gegenstand, fachliche Funktionalität, virtuelle Repräsentanz." [5]
  • Eine I4.0-Plattform ist die "Implementierung einer (standardisierten) Kommunikations- und Systeminfrastruktur mit erforderlichen Management- und Produktivdiensten und definierten QoS(Quality of Service)-Eigenschaften als Basis für den effizienten Aufbau und die Integration von I4.0-Systemen in einer Anwendungsdomäne. Um Interoperabilität sicherzustellen, muss einer I4.0-Plattform eine Referenzarchitektur zugrunde liegen. Die I4.0-Plattform muss eine Relation zum I4.0-System definieren." [5]

Das bedeutet, dass sowohl Industrie 4.0-Systeme (mit ihren I4.0-Komponenten) als auch CPPS (mit ihren CPS) als flexibles Rahmenwerk für die Realisierung einer intelligenten Produktion dienen. Dazu kommt das Konzept des Internet of Things, das intelligente Gegenstände mit ihrer Umwelt vereint, um so einen Mehrwert für den Nutzer zu schaffen. Dieses Konzept liegt auch der I4.0-Komponente und CPS zu Grunde, die im Produktionsumfeld bzw. in der Industrie als intelligente technische Gegenstände (Assets) einen Mehrwert für den Nutzer schaffen sollen.

In der Industrie 4.0-Begriffswelt werden CPPS und I4.0-Systeme und dazu analog CPS und I4.0-Komponenten explizit nicht gleichgesetzt. Die Cyber Physical Systems (CPS) existieren als Konzept bereits länger als die I4.0-Komponente, es lässt sich aber keine Hierarchie oder Vererbungsrelation zwischen beiden bilden. Dennoch haben diese Konzepte einige Gemeinsamkeiten. Beide Konzepte vereinen die physische mit der virtuellen Welt und bieten die Möglichkeit, Einfluss auf beide Welten zu nehmen bspw. über angebotene Daten und Dienste oder über die Sensorik und Aktorik. Für beide Konzepte können daher in den sechs Schichten der IT-Repräsentation des RAMI4.0 unterschiedliche Anforderungen abgeleitet werden:

  1. Business: Eine I4.0-Komponente oder ein CPS muss die Geschäftsmodelle und zugehörige Geschäftsprozesse unterstützen. Dies kann beispielsweise eine möglichst hohe Verfügbarkeit sein, die aus Methoden der vorausschauenden Wartung kombiniert mit einer langfristigen Prozessoptimierung basierend auf den Betriebsdaten der Komponente resultiert. Hierfür müssen die Geschäftsmodelle mit ihren Zielen klar sein, um entsprechende Anforderungen, beispielsweise die Akquisition bestimmter Informationen aus dem Produktionsprozess, bezogen auf die entsprechenden Rollen, z. B. Hersteller, Betreiber, Servicepersonal, Bediener/Beobachter, etc., und Systeme, z. B. Komponente, MES, etc. festlegen zu können. Hier können allgemeine Beschreibungen, wie z. B. die Business Process Modelling Notation (BPMN), zum Einsatz kommen, aber auch spezifischere Modelle zur Beschreibung der Geschäftsmodelle, wie z. B. Business Model Canvas, genutzt werden.
  2. Functional: Eine I4.0-Komponente oder ein CPS muss eine Laufzeit- und Modellierungsumgebung für Dienste, die die Geschäftsprozesse unterstützen, bereitstellen. Das können beispielsweise Fehlererkennungsmechanismen oder auch die autonome Adaption des eigenen Modells basierend auf den Betriebsdaten sein. Hierfür muss die Software- und Hardware-Architektur, ebenso wie der Prozessablauf, spezifiziert werden. Weiterhin müssen relevante Daten und Informationen definiert sein und es muss festgelegt werden, wie die akquirierten Informationen über die Lebensdauer der Komponente verwaltet werden. Dies muss nicht zwangsläufig heißen, dass alle Informationen, Modelle und Daten auf der Komponente direkt vorgehalten werden müssen, sondern kann auch verteilte Architekturen und die Nutzung entfernter Dienste berücksichtigen. Hier können allgemeine Beschreibungssprachen, wie z. B. UML, aber auch domänenspezifische Modelle, wie z. B. die Integrierte Unternehmensmodellierung (IUM), genutzt werden.
  3. Information: Eine I4.0-Komponente oder ein CPS muss die Informationen der technischen Gegenstände (Assets) verarbeiten können. Diese Informationen können zu logischen Einheiten rund um die Fähigkeiten der I4.0-Komponente oder des CPS, deren Geometrie, Kinematik, Logik, Verhalten oder der Beziehung zu anderen I4.0-Komponenten oder CPS zusammengefasst werden. Jede I4.0-Komponente oder jedes CPS besitzt ein eigenes Modell. Diese Modelle können zu einem integrierten, gemeinsamen Modell fusioniert werden. Domänenspezifische Repräsentationen, wie beispielsweise Ontologien oder spezifische Objekt-Bibliotheken, können hier zusätzlich eingebracht und genutzt werden. Zu den Informationen muss ebenso definiert werden, woher und wie diese gewonnen werden können und auch wie diese zielgerichtet weiterverarbeitet und verwaltet werden können. Hier spielen beispielsweise Versionierung und Zugriffsrechte und -strategien eine Rolle. Hier kann der internationale Standard AutomationML als XML-basierte Beschreibungssprache zur Modellierung der genannten Informationen genutzt werden.
  4. Communication: Eine I4.0-Komponente oder ein CPS muss mit einer Kommunikationsschnittstelle ausgestattet sein, die es ermöglicht, eine Kommunikationsverbindung zu anderen I4.0-Komponenten oder CPS zu etablieren. Daten- und Kommunikationsmanagement spielen hier ebenso eine Rolle, wie ein auf die Information-Schicht ausgerichtetes Format. Hier kommt zum Beispiel der internationale Standard OPC UA für die Umsetzung in Frage, der nicht nur die reine Kommunikation, sondern auch die Verbindung zur Informationsmodellierung und -verarbeitung, sowie die innerhalb der Information-Schicht genannten Zugriffsstrategien realisiert. Dabei ist OPC UA nicht auf eine einzelne Schicht in der Automatisierungshierarchie begrenzt, sondern kann in unterschiedlichen Varianten, individuell angepasst, zum Einsatz kommen. Für I4.0 Systeme oder CPPS kommen ebenfalls aggregierende OPC UA-Komponenten in Frage.
  5. Integration: Eine I4.0-Komponente oder ein CPS müssen maschinenlesbare Daten über den technischen Gegenstand (Asset) bereitstellen. Hierzu gehört die Definition des Verhaltens, ebenso wie die Systemstruktur, bereitgestellte Dienste oder auch die relevanten Technologien bezüglich Sensor-/Aktortypen, Sensor-/Aktornetzwerke, Dienste, Persistenzmechanismen, sowie die Schnittstellen der Vielzahl an Hardware- und Softwarekomponenten innerhalb einer I4.0-Komponente oder eines CPS. Modulare und adaptive Informations- und Kontrollstrukturen können hierbei hilfreich sein. Diese Schicht ist direkt abhängig von der verwendeten Hard- und Software, sowie entsprechenden Prozessorarchitekturen.
  6. Asset: Eine I4.0-Komponente oder ein CPS repräsentiert und verwaltet einen oder mehrere physische technische Gegenstände (Assets), sowie deren virtuelle Repräsentation.

Mit den genannten intelligenten I4.0-Komponenten oder CPS werden neue Anwendungen ermöglicht, die im Rahmen von Industrie 4.0 eine große Rolle spielen. Eine dieser Anwendungen ist Plug-and-work.

  • Plug-and-work bezeichnet die "Interoperation zwischen zwei oder mehr Beteiligten mit minimalem Arbeitsaufwand herstellen, ändern oder auflösen. Die Interoperabilität der Beteiligten wird vorausgesetzt. Der minimale Aufwand kann sich je nach Stand der Technik ändern" [5]. Zur Umsetzung von Plug-and-work sind verschiedene Bausteine nötig [14].

Die I4.0-Komponente oder das CPS, die ihre Fähigkeiten anbieten, müssen eine Selbstbeschreibung, beispielsweise basierend auf AutomationML, mitbringen. Die Modellierung sollte eine funktionsorientierte Beschreibung von Produktionsaufgaben enthalten. Wichtig ist dabei, dass nicht ein einziges Datenmodell nötig ist, sondern die Verknüpfung verschiedener Datenmodelle in einheitlicher Art und Weise (z. B. durch Zuordnungsvorschriften). Die I4.0-Komponenten oder CPS sind in der Lage, die Selbstbeschreibung aktiv, zum Beispiel mittels OPC UA, anderen Teilnehmern zu übermitteln oder entsprechende Dienste in Form von ausführbaren OPC UA-Methoden bereitzustellen, um den Zugriff auf die Funktionen zu ermöglichen. So können intelligente rekonfigurierbare I4.0-Systeme oder CPPS geschaffen werden. Dabei kann Plug-and-work nicht nur für neue Produktionskomponenten oder technische Gegenstände funktionieren, sondern auch in Verbindung mit Altanlagen in Kombination mit entsprechender Middleware Realität werden.

Verschiedene Forschungsprojekte nutzen AutomationML und OPC UA bereits und setzen innerhalb dieses Rahmens die beiden internationalen Standards AutomationML für die Beschreibung und Modellierung der Produktionssysteme und deren -komponenten und/oder OPC UA für das Daten- und Informationsmanagement sowie die Kommunikation ein. Einige Beispiele sind nachfolgend aufgeführt:

  • SkillPro, EU FP7-2012-NMP-ICT-FoF (Grant 314247) [15] 
  • PCFF – Plug & Control für flexible Fördertechnik, BMWi-Projekt [16]
  • EIT HII CPS, EIT Digital High Impact Initiative Cyber Physical Systems [17]
  • SecurePLUGandWORK, BMBF-Projekt [18]

Obwohl es nicht den einen Standard in der Industrie 4.0 gibt, so wird doch über mögliche und passende Standards bezüglich der Modellerstellung, sowie der Kommunikation in den Arbeitsgruppen diskutiert. Zwei vielversprechende, flexibel einsetzbare und erweiterbare Technologien in diesem Zusammenhang sind OPC Unified Architecture und AutomationML. Zur Kombination beider Standards wurden entsprechende Regeln der Transformation formuliert [10], weiter entwickelt [19] und in Richtung Standardisierung vorangetrieben. Diese berücksichtigt auch die verschiedenen Möglichkeiten zur Einbindung weiterer Standards, wie z. B. PLCopen, ISO 10303 oder eCl@ass. Denn die Offenheit zur Harmonisierung wird einer der zukünftigen Enabler von Industrie 4.0 sein.

Quellen
  1. Bitkom, VDMA, ZVEI: Umsetzungsstrategie Industrie 4.0. Ergebnisbericht der Plattform Industrie 4.0
  2. VDI: Anwendungsfelder der Automation
  3. Begriffsdefinitionen rund um Industrie 4.0
  4. J. Pfrommer, M. Schleipen, T. Usländer, U. Epple, R. Heidel, L. Urbas, O. Sauer, J. Beyerer, 2014: Begrifflichkeiten um Industrie 4.0 – Ordnung im Sprachwirrwarr. In: U. Jumar, C. Diedrich: 13. Fachtagung EKA - Entwurf komplexer Automatisierungssysteme, 2014.
  5. VDI: Industrie 4.0 – Technical Assets. Grundlegende Begriffe, Konzepte, Lebenszyklen und Verwaltung, VDI Statusreport Industrie 4.0
  6. Wiki der Arbeitsgruppe Begriffe Industrie 4.0
  7. VDI, ZVEI: Status Report: Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI4.0)
  8. DIN SPEC 91345:2016-04, Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI4.0), April 2016.
  9. IEC 62541-100:2015. OPC Unified Architecture - Part 100: Device Interface, 2015.
  10. OPC Unified Architecture for AutomationML, OPC UA Companion Specification
  11. IEC 62714-1:2014. Engineering data exchange format for use in industrial automation systems engineering - Automation markup language - Part 1: Architecture and general requirements, 2014.
  12. Best Practice Recommendations: ExternalDataReference
  13. White paper AutomationML and eCl@ss integration
  14. M. Schleipen, A. Lüder, O. Sauer, H. Flatt, J. Jasperneite: Requirements and concept for Plug-and-Work - Flexibility in the context of Industry 4.0 (Anforderungen und Konzept for Plug-and-Work – Flexibilität im Kontext von Industrie 4.0). at - Automatisierungstechnik. Band 63, Heft 10, Seiten 801–820, ISSN (Online) 2196-677X, ISSN (Print) 0178-2312, DOI: 10.1515/auto-2015-0015, October 2015
  15. SkillPro
  16. PCFF – Plug & Control für flexible Fördertechnik
  17. EIT HII CPS
  18. SecurePLUGandWORK 
  19. DIN SPEC 16592, OPC Unified Architecture und AML kombinieren (noch nicht veröffentlicht), Stand August 2016.

Autorin

Dr. Miriam Schleipen

Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Miriam Schleipen befasst sich am Fraunhofer IOSB als leitende Wissenschaftlerin "Industrie 4.0 und Interoperabilität" mit Fragestellungen rund um die Interoperabilität in Produktionssystemen.
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Bücher der Autorin:

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