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Prof. Dr. Frank Dopatka & Prof. Dr. Oliver Hummel 17. April 2018

Bitcoins [2]: Der Handel mit Bitcoins in der Praxis

In diesem Artikel soll weder für eine spezielle Plattform, noch für ein Finanzprodukt geworben werden! Es werden lediglich einige mögliche Plattformen und Finanzprodukte zu Illustrationszwecken vorgestellt. Die Entscheidung für eine Plattform oder für ein Investment irgendeiner Art muss jeder für sich selbst treffen!

Zunächst ist zu überlegen, ob man direkt mit Bitcoins handeln oder mit realem Geld wie US-$ auf den zukünftigen Wechselkurs der Bitcoin-Währung spekulieren will.

Haben Sie Teil 1 gelesen?

Bitcoins [1]: Wie funktioniert die Kryptowährung?

Über die technischen und praktischen Hintergründe zu Kryptowährungen: Bitcoins erzeugen und handeln.
>> Weiterlesen

Das direkte Handeln mit Bitcoins

Um mit Bitcoins zu handeln, wird eine Bitcoin-Adresse mit einem privaten Schlüssel benötigt, die von einer Open Source Wallet-Software [1] generiert und verwaltet werden. Oft wird die Wallet mit einer digitalen Geldbörse verglichen, was jedoch irreführend sein kann, denn diese Geldbörse beinhaltet kein reales Geld, sondern nur die Zugangsdaten zum Bitcoin-Konto. Ein Vergleich mit einer EC-Karte ist daher eher angebracht. Es gibt Wallets für PCs, Laptops und Mobilgeräte sowie Web-Wallets, die ihre Daten online speichern. Man vertraut damit also ggf. einem Mobilgerät oder einer Web-Wallet-Plattform die Kontozugangsdaten an, ähnlich wie beim Online-Banking.

In allen Fällen ist zu bedenken, dass ein Verlust der Wallet(-daten) auch einen Verlust der Bitcoins nach sich zieht. Das Mobilgerät wird damit noch deutlich wertvoller, man sollte es also nirgendwo liegen lassen! Wird eine Web-Wallet gehackt, so können die Probleme beim Schadensersatz wesentlich größer sein als bei einem gehackten Online-Banking einer Bank. Der Wallet-Anbieter hat normalerweise keine Banklizenz, untersteht keiner Bankenaufsicht und muss sich daher auch nicht deren Regeln und Standards unterwerfen. Wird hingegen das Online-Banking einer Bank gehackt, so hat man Ansprüche auf Schadensersatz, falls man sich nicht selbst grob fahrlässig verhalten hatte.

Und wie erhält man nun die ersten Bitcoins? Dies kann über einen Online-Marktplatz erfolgen, bei dem man reale Euro oder US-$ in Bitcoins eintauschen kann (ein entsprechender deutscher Marktplatz ist beispielsweise bitcoin.de [2]). Bei der Registrierung muss man dort die üblichen persönlichen Daten wie Name, Wohnanschrift, Handynummer und Mail-Adresse angeben, woraufhin die Handynummer per SMS verifiziert sowie die Mail-Adresse über einen Registrierungslink bestätigt werden.

Bei jedem Login erhält man nach der Angabe des Benutzernamens und Kennworts jeweils noch eine Login-TAN per E-Mail zugesendet, mit der der Login erst vollständig wird. Sehr zu empfehlen ist die auch dort mögliche Erweiterung um eine bank-typische Zwei-Faktor-Authentifizierung, beispielsweise über einen zusätzlichen Einmalpasswort-Generator wie Google Authenticator oder über eine Passworttabelle.

Auch können Bitcoins mit einer gewöhnlichen Banküberweisung gekauft werden, wobei das Bankkonto des Käufers vorher zusätzlich verifiziert werden sollte. Die Verifizierung kann beispielsweise über ein PostIdent-Verfahren erfolgen, wofür man einmalig 14,90€ als Gebühr bezahlen muss. Diese Verifizierung lässt einen gegenüber seinem Handelspartner glaubwürdiger erscheinen. Sie hat aber noch einen wesentlich wichtigeren Aspekt, denn ohne eine Verifizierung besteht eine Handelsbeschränkung von 2.500€ pro Jahr, wobei alle Käufe und Verkäufe aufaddiert werden. Außerdem existiert ansonsten eine weitere Beschränkung von maximal 1.000€ Handelsvolumen pro Kaufs- bzw. Verkaufsvorgang.

Um nun Bitcoins zu erwerben, kann man entweder selbst ein Kaufgesuch erstellen oder ein bestehendes Verkaufsangebot annehmen [3]. Jeder Marktplatz in Form einer Web-Wallet kann ein Ziel von Hacker-Angriffen sein. Möchte man dieses Risiko vermeiden, dann müssen die Bitcoins per Transaktion von dem Web-Wallet-Konto in ein persönliches Desktop-Wallet-Konto verschoben werden. Die Bitcoins selbst existieren jedoch gar nicht, es handelt sich wie zuvor besprochen um reines Giral-Geld; man kann die Bitcoins also nicht wie eine Datei kopieren. Vielmehr legt man sein eigenes Desktop-Wallet-Konto an und überweist seine Bitcoins dann dorthin. Die entsprechende Überweisung muss dann wieder, wie zuvor beschrieben, in der Blockchain gespeichert werden.

Eine solche Desktop-Wallet ist beispielsweise Bitcoin Core [1], deren Installation in Youtube-Videos beschrieben ist [4]. Direkt nach der Installation lädt Bitcoin Core die gesamte Blockchain von knapp 200 GB mit der vollständigen Überweisungshistorie aus dem Internet. Dies wird als Synchronisation bezeichnet und benötigt eine entsprechend schnelle Internetverbindung sowie genügend freien Festplattenspeicher. Für die Überweisung muss man eine BTC-Adresse erzeugen, die mit einer IBAN oder auch einer Mail-Adresse vergleichbar ist. Man verschickt darüber aber keine Dateien, sondern einen Überweisungsauftrag, der in der Blockchain gespeichert wird. Über solche BTC-Adressen laufen also alle Überweisungen und Bezahlvorgänge mit Bitcoins ab.

Direkt nach der Installation sollte man seine Desktop-Wallet verschlüsseln, damit der Zugriff erschwert wird, falls die Desktop-Wallet – also die Festplatte, USB-Stick oder das Mobilgerät – einmal verloren gehen sollte. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer bestehen; in diesem Fall beispielsweise beim Einsatz einer Keylogging-Software als Spyware auf dem Gerät. Von der Desktop-Wallet sollte man nach der Verschlüsselung dringend auch verschiedene Sicherungskopien auf verschiedenen Datenträgern erstellen. Denn ist der einzige Datenträger mit Ihrer Desktop-Wallet defekt oder wird er gestohlen, dann existieren auch die Zugangsdaten zu allen dort verwalteten Konten nicht mehr!

Wetten auf den Wechselkurs zwischen Bitcoins und realen Währungen

Möglicherweise findet man den im letzten Kapitel beschriebene Vorgang zu kompliziert oder zu riskant. Vielleicht will man selbst auch gar keine Bitcoins kaufen und nicht mit ihnen bezahlen, sondern nur auf den Kurs der Bitcoin-Währung spekulieren. Bei realen Währungen ist dies bereits längst in Form von Devisenspekulationen etabliert, um die sich ein sehr riskanter Markt mit dem Namen Forex-Handel (foreign exchange market) gebildet hat. Mittlerweile haben Sie die Möglichkeit, auch über den gewöhnlichen Börsenhandel mit einem Online-Broker auf den Bitcoin-Kurs zu spekulieren. Dazu wurden die ersten Börsenprodukte etabliert, die man über ein herkömmliches Bankdepot handeln kann. Es ist geplant, die Anzahl und die Arten dieser Börsenprodukte künftig stark auszubauen [5].

Seit Ende 2017 können auch Bitcoin-Futures an regulären Börsen gehandelt werden.

Als mögliche Produkte existieren unter anderem unbesicherte open-end ETNs (exchange-traded notes) [6], die den Wechselkurs zwischen Bitcoins und US-$ (XBT/USD) in festen Bezugsverhältnissen abbilden. Der Zusatz open-end bedeutet, dass das Produkt keine Laufzeitbegrenzung besitzt, also nicht zu einem fest vorgegebenen Stichtag zwingend ausbezahlt wird. Bei einem unbesicherten Zertifikat wird das im Zertifikat gehandelte Produkt nicht wirklich eingekauft, sondern bei einem Treuhänder hinterlegt. Dies reduziert die Verwaltungskosten, jedoch hat man bei einem Zahlungsausfall des Produktanbieters – wie es im Fall Lehman Brothers passiert ist – keine Rückzahlungsansprüche; man verliert unter Umständen also sein gesamtes Vermögen.

Ähnliche Produkte sind mittlerweile auch für Ethereum (ETH) als Konkurrent von Bitcoin verfügbar. Ethereum gilt als zweitgrößte Kryptowährung gemessen an der Marktkapitalisierung [7]. Die Frage ist, wie viele und welche Börsenprodukte zukünftig für Kryptowährungen existieren werden und für welche Kryptowährungen dies sein wird.

Es gibt beispielsweise auch Pläne, einen frei an den Börsen handelbaren ETF (exchange-traded funds) für Bitcoins anzubieten, bei denen "reale" Bitcoins als Gegenwert zur Besicherung eingekauft werden. Dies könnte prinzipiell über volle Replikation oder über Swap-Geschäfte realisiert werden [8]. Diese Pläne sind jedoch bislang nicht durchzusetzen [9].

Seit Ende 2017 können als neue Produkte auch Bitcoin-Futures an regulären Börsen gehandelt werden. "Ein Future ist ein Terminkontrakt, mit dem Rohstoffe oder Finanzprodukte zu einem vorab festgelegten Preis zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt gehandelt, also verkauft oder veräußert werden." [10] Das Besondere an diesen Futures liegt darin, dass sie auch "short" gehandelt werden können. Dies bedeutet, dass man damit auch auf fallende Kurse setzen kann. Eine weiter verbreitete Bezeichnung dafür sind "Leerverkäufe" [11], die bereits bei der letzten Finanzkrise eine große Rolle spielten. Interessanterweise ist der XBT/USD-Wechselkurs gerade Ende 2017 massiv eingebrochen, als der Handel mit den Bitcoin-Futures begonnen hat. Es ist anzunehmen, dass Großinvestoren massiv auf fallende Kurse gesetzt hatten und dass der reale Kurseinbruch damit in Zusammenhang steht.

Chancen und Risiken

Die Chancen, die sich durch Bitcoin ergeben, sind schnell zusammengefasst. Einerseits locken natürlich nach wie vor hohe Spekulationsgewinne, denen allerdings auch entsprechende Verlustrisiken gegenüberstehen. Andererseits könnten technische Weiterentwicklungen Bitcoin tatsächlich einmal zu einem weltweit akzeptierten Zahlungssystem machen, zu dem jeder Besitzer eines Smartphones Zugang haben würde. Auch ganz ohne Girokonto und Gehaltsnachweis ließe sich dann weltweit ohne großen Aufwand Geld transferieren. Das dürfte natürlich Banken und Kreditkartenfirmen überhaupt nicht gefallen.

Seit 2017 werden denn auch vermehrt die Risiken, die den Käufern von Bitcoins oder gar der Gesellschaft durch Bitcoins drohen könnten, öffentlich diskutiert. Diese Gefahren kann man unterteilen in technische, gesellschaftliche sowie politische und wirtschaftliche Risiken, die wir im Folgenden diskutieren möchten.

Technische Risiken

Den hohen Energieverbrauch, die bis dato mangelnde Skalierbarkeit der Bitcoins und die daraus resultierenden ggf. explodierenden Transaktionsgebühren sowie die Gefahren durch Hackerangriffe hatten wir bereits in früheren Abschnitten angesprochen und werden sie daher nicht mehr vertiefen. Es gibt allerdings noch einige weitere technische Fragestellungen, die nun kurz thematisiert werden sollen.

Theoretisch erscheint es beispielsweise möglich, dass ältere Einträge der Blockchain mit einem relativ einfachen Hash-Grenzwert durch leistungsfähigere Hardware in der Zukunft leicht manipuliert werden könnten. Dies ist zwar in der Tat eine ernstzunehmende Möglichkeit, da das Bitcoin-Protokoll aber vorsieht, dass immer die längste im Netzwerk verfügbare gültige Blockchain Verwendung finden muss, müsste diese für einen solchen Angriff von Anfang bis Ende manipuliert werden. Da der Grenzwert am Ende der Blockchain immer an die aktuelle Leistungsfähigkeit der Hardware im Netzwerk angepasst ist, ist ein solcher Versuch nicht erfolgversprechend, immerhin hat das gesamte Bitcoin-Netzwerk bereits mehr als neun Jahre daran gearbeitet, die aktuelle Version der Blockchain zu errechnen. Die Größe der Blockchain selbst wächst zwar beständig weiter, da Blöcke allerdings nur alle 10 Minuten versiegelt werden, bleibt dieses Wachstum linear und sollte durch die gewöhnlich überlinear wachsenden Bandbreiten und Speichermengen gut aufgefangen werden können.

Durch die Vorgabe, immer die längste verfügbare Blockchain zu verwenden, lösen sich übrigens auch sogenannte Forks, die entstehen können, wenn zufällig zwei Miner in etwa gleichzeitig einen Block versiegeln, meist schnell wieder auf. Es propagiert zwar jeder seinen Block mit dem gefunden Hash in das Bitcoin-Netzwerk und zunächst sind auch beide Varianten in dem Teil des Netzwerks gültig, wo sie zuerst eingegangen sind. Die Wahrscheinlichkeit allerdings, dass für beide Äste der Blockchain abermals mehrfach gleichzeitig ein neuer Block versiegelt wird, ist sehr gering. Somit wird der Ast, der zuerst verlängert wird, als gültige Version der Blockchain übernommen und der andere verworfen. Damit verfallen natürlich auch alle in letzterem getätigte Transaktionen sowie die Belohnung für den Finder des Hash-Siegels. Das ist übrigens auch der Grund, warum man bei großen Bitcoin-Transaktionen immer etwa eine Stunde (d. h. 5 weitere Blöcke) abwarten sollte, bevor man die getätigte Transaktion als endgültig bestätigt annimmt.

Eine realistischere Bedrohung ist, dass eine Partei (z. B. ein Mining Pool) die Kontrolle über mehr als die Hälfte des Bitcoin-Netzwerks erlangt und damit in die Lage versetzt würde, bereits akzeptierte Blöcke am Ende der Blockchain nachträglich gegen eigene auszutauschen (sogenannte Double Spend Attack). Aktuell vereinigt der größte Mining Pool BTC.com etwa ein Viertel der Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks auf sich [12], so dass diese Möglichkeit nicht völlig von der Hand zu weisen ist. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein Kompromittieren des Systems tatsächlich im Sinne eines möglichen Angreifers wäre, der durch das Mining gutes Geld verdient und sich somit seine Geschäftsgrundlage zerstören würde. Ein wahrscheinlicheres Szenario in einem solchen Fall von konzentrierter Rechenleistung ist vermutlich eher ein Denial of Service, bei dem Transaktionen einzelner Adressen bewusst blockiert oder zumindest verzögert werden. Aber auch das würde schnell das Vertrauen in Bitcoin als Währung beschädigen und abermals die eigentliche Geschäftsgrundlage der Miner zerstören.

Gesellschaftliche Faktoren

Von vielen Banken, die dezentrale unkontrollierte Währungen generell als Risiko für das Weltwirtschaftssystem sehen, kommt der berechtigte Einwand, dass Bitcoins keine Wertstabilität besitzen. Dies ist allein am Bitcoin-Kurs der letzten 2 Jahre zu erkennen. Ohne eine Wertstabilität ist jedoch ein zentrales Kriterium für eine Währung nicht erfüllt.

Damit in direktem Zusammenhang steht die Frage nach der Akzeptanz als ein weiteres Kriterium für eine Währung. Akzeptiert die Gesellschaft langfristig Bitcoins als eine Währung, oder sogar als Zahlungsmittel? Die große Online-Spieleplattform Steam hatte beispielsweise bereits Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert, dies jedoch wieder zurückgezogen [13]. Steam begründet dies mit den hohen Wertschwankungen und Gebühren sowie mit den schwer kalkulierbaren Zeiten für die Durchführung einer Transaktion. Ein ähnliches Problem mit der Akzeptanz der Kryptowährungen ist bei den US-Großbanken JPMorgan, der Bank of America und der Citigroup zu beobachten. Sie haben den Ankauf von Kryptowährungen auf mehreren bekannten Handelsplattformen unter Verwendung von Kreditkarten verboten [14]. Zumindest kurz- und mittelfristig scheinen die Kryptowährungen damit eher ein reines Spekulationsobjekt zu bleiben und weniger eine Währung im eigentlichen Sinne. Gerade in Deutschland, wo man bereits Aktien als zu riskante Anlageform empfindet und eher auf ein zinsloses Sparbuch setzt, dürfte es ein Akzeptanzproblem mit Bitcoins im Alltag geben.

Ein weiterer gesellschaftlicher Aspekt liegt in der Anonymität vieler Kryptowährungen durch Pseudonymisierung und deren damit verbundenen Einsatz zu illegalen Aktivitäten im Darknet sowie zur Geldwäsche. Es gibt daher Bestrebungen der Regierungen und Zentralbanken, diese Aktivitäten zu unterbinden. In diesem Zusammenhang ist ein Zitat von Ewald Nowotny als Gouverneur der Österreichischen Zentralbank und als Mitglied des EZB-Rates zu nennen: "Es kann doch nicht sein, dass wir gerade beschlossen haben, den 500-Euro-Schein nicht mehr zu drucken, um Geldwäsche zu bekämpfen und jedem kleinen Sparverein strenge Regeln aufbrummen, um dann zuzusehen, wie weltweit munter mit Bitcoin Geld gewaschen wird." [15]

Als letzter gesellschaftlicher Aspekt ist noch die offensichtlich desaströse Ökobilanz des Bitcoin-Minings und des Betriebs der Blockchain zu nennen, die auch in diesem Artikel diskutiert wurde. Diese erscheint im Lichte eines Diesel-Fahrverbots in deutschen Innenstädten sowie der Einführung einer neuen blauen Umweltplakette und der Nachrüstung von Dieselautos noch einmal umso bedenklicher [16].

Politische und wirtschaftliche Einflussnahmen

"Würde Deutschland eine Cyberwährung einführen, wäre sie ein gigantischer Erfolg" sagte der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff in einem Interview zur Zukunft von Kryptowährungen [17]. Aus europavertragsrechtlichen Gründen läge die Währungshoheit allerdings bei der EZB und nicht bei der Bundesbank. Eine von Europa unabhängige Krypto-Mark wird es zum Leidwesen der Euro-Kritiker wohl keinesfalls geben. Immerhin soll Deutschland in der neuen Regierung nun doch eine Staatsministerin für Digitales bekommen [18], die sich auch um solche Fragestellungen wird kümmern müssen.

Falls ein Staat oder eine Staatengemeinschaft eine zweite Währung in Form einer Kryptowährung einführen würde, stellt sich als nächstes die Frage der Buchhaltung: Muss dann beispielsweise jede Rechnung in beiden Währungen ausgestellt werden? Dies würde nur bei einem konstanten Wechselkurs funktionieren. Muss nur eine Währung angegeben werden und möchte man die andere, z. B. die digitale Währung als gesetzlich zugelassenes Zahlungsmittel verwenden, dann müssen wiederum Wechselkurse beachtet werden. Der Euro wurde aber gerade deshalb geschaffen, um variable Wechselkurse zu verhindern, was zu einer Währungsstabilität im Euro-Raum und zu einem Aufleben der Wirtschaft führte. Die Einführung einer Parallelwährung wurde übrigens vor nicht allzulanger Zeit bereits diskutiert: In der Griechenland-Krise gab es Überlegungen, dass Griechenland wieder die Drachme als Parallelwährung zum Euro einführt, um diese bei Bedarf abwerten zu können [19].

Bitcoins wurden ursprünglich zur Vermeidung staatlicher Kontrolle geschaffen.

Als erstes Land hat Venezuela kürzlich erfolgreich eine eigene Kryptowährung eingeführt, wobei dort bislang auch Bitcoins bereits breite Verwendung fanden. Der Hauptgrund der dortigen Begeisterung für Kryptowährungen liegt allerdings im Wesentlichen darin, die von den USA verhängten Sanktionen zu umgehen [20]. Die Bank of England prüft die Einführung eines Krypto-Pfunds, welches fest an das britische Pfund Sterling gebunden sein soll. Ebenso prüft Russland die Einführung eines Krypto-Rubels; auch hier unter anderem mit dem Ziel, die vom Westen verhängten Sanktionen leichter umgehen zu können [21].

In allen Fällen der Einführung einer staatlichen Kryptowährung als gesetzliches Zahlungsmittel würden eigene Währungen geschaffen, die unter staatlicher Kontrolle stünden. Genau zu deren Vermeidung wurden die Bitcoins aber ursprünglich erschaffen! Einer solchen staatliche Kryptowährung wäre also mit höchster Wahrscheinlichkeit KEIN zu Bitcoin vergleichbarer Erfolg beschieden, zumal sich die Frage stellt, wer das zugehörige Netzwerk betreiben sollte und wie die Teilnehmer ggf. dafür entlohnt werden sollten.

Der zweite politische Aspekt liegt darin, die existierenden Kryptowährungen – und damit insbesondere den Bitcoin – unter staatliche Kontrolle zu bekommen. China und Südkorea möchten beispielsweise den Handel mit Bitcoins unmöglich machen, indem alle Server mit Kryptowährungsbörsen von staatlicher Seite gesperrt werden. Kleinere direkte Transaktionen zwischen Privatpersonen sollen dort allerdings nicht reguliert oder verboten werden [22]. Während in China und Südkorea sogar Verbote von Bitcoin diskutiert werden, möchte die US-Börsenaufsicht SEC eher die börslichen Anlageprodukte auf Bitcoin-Wechselkurse regulieren oder unterbinden. Die SEC begründet dies mit Sicherheitsproblemen. Auch die Schweiz prüft bereits eine mögliche Regulierung [23]. EZB-Präsident Mario Draghi hat hingegen eine andere interessante Aussage getätigt, nämlich dass es "eigentlich nicht in unserer Macht sei", Kryptowährungen zu regulieren oder zu verbieten [24].

Alternativen zu Bitcoins: Ethereum und Ripple

Der Boom der Bitcoins und neue technische Ideen und Möglichkeiten haben auch einen Boom in weiteren Kryptowährungen ausgelöst. Die Webseite coinmarketcap.com listet im Februar 2018 bereits über 1.500 verschiedene davon. Viele sind zwar bestenfalls als "dubios" zu bezeichnen, doch mehr als 500 davon weisen immerhin eine Marktkapitalisierung von über 1 Million US-Dollar auf. Neben Bitcoin sind aktuell vor allem noch Ethereum und Ripple im Fokus der Öffentlichkeit.

Beide punkten im Vergleich zu Bitcoin vor allem durch deutlich kürzere Versiegelungszeiten ihrer Blöcke, die bei Ethereum etwa bei 10-15 Sekunden und bei Ripple im Schnitt sogar unter 5 Sekunden liegen. Damit sind beide Währungen bereits deutlich skalierbarer als Bitcoin, wenn auch noch immer weit von den Durchsätzen entfernt, die etwa Kreditkartenunternehmen heute verarbeiten. Entsprechend wird beispielsweise bei Ethereum daran gearbeitet, den auf Hashes basierenden Proof-of-Work-Algorithmus à la Bitcoin durch eine energiesparendere und skalierbarere Alternative zu ersetzen.

Ethereum unterstützt in seiner Blockchain zudem sogenannte Smart Contracts – (bisher meist) kleine Programme, die in der Blockchain abgelegt und durch Transaktionen aktiviert werden können. Um Contracts zu schreiben, bietet Ethereum mit Solidity eine turing-vollständige und JavaScript-ähnliche Programmiersprache an, die in der sogenannten Ethereum Virtual Machine im Netzwerk ausgeführt werden kann. Eine aktuell populäre Anwendung dafür ist das Crowdfunding, das nun komplett ohne Mittelsmann durch einen Smart Contract abgewickelt werden kann. Wird die benötigte Gesamtsumme erreicht, werden die eingesammelten Gelder an den Organisator überwiesen, ist das nicht der Fall, erhält jeder Einzahler sein Geld zurück.

Ein Smart Contract ist dabei sehr ähnlich zu einer Java-Klasse, er verfügt über einen Konstruktor und nach außen sichtbare Methoden, die wie gesagt über Transaktionen oder auch von anderen Contracts aufgerufen werden können. Die Werte von innerhalb eines Contracts verwendeten globalen Variablen (in etwa den Instanzvariablen in Java entsprechend) werden nach jeder Ausführung in der Blockchain gespeichert. Damit liegt der innere Zustand eines Contracts auch dauerhaft und unverfälschbar in der Blockchain vor. Das Ausführen von Smart Contracts muss mit Ether, der Währung von Ethereum, bezahlt werden, um den Minern einen Anreiz für das zur Verfügung stellen von Rechenleistung zu bieten und natürlich den Missbrauch des Netzwerks zu verhindern.

Bei Bitcoins als Giralgeld stehen die Transaktionen, also die Buchungen, im Vordergrund. Der Ansatz von Ripple ist etwas anders. Wie bereits in der Einleitung beschrieben, basieren die Geldsysteme im Wesentlichen auf dem Vertrauen des Anlegers, für sein Papiergeld, seinen Schuldschein oder für den Eintrag in seinem Sparbuch bei Bedarf eine passende Gegenleistung zu erhalten.

Ripple basiert auf dieser Schuldschein-Idee, die dort IOUs ("I owe you"s) genannt werden. Es werden bei Ripple also im Wesentlichen die Verbindlichkeiten verwaltet, wer wem wieviel Geld schuldet. Eine Zahlung ist eine Änderung zweier IOUs. Während diese Kontostände bei einem Bank-Sparbuch bei der entsprechenden Bank zentral festgehalten werden, erfolgt das Abspeichern bei Ripple in einem weltweit dezentralen Register. Dieses Register ist eine Datenbank, die wie die Blockchain bei Bitcoin durch einen Konsens-Algorithmus synchron gehalten wird. Die Kontostände werden in einer eigenen Kryptowährung verwaltet, die man XRP oder Ripple nennt.

Ein Benutzer gibt dabei an, welchem anderen Benutzer er bis zu welcher Höhe das Vertrauen entgegenbringt, die IOUs zu begleichen. Gibt es keine direkte Verbindung zwischen zwei Benutzern, so versucht das System einen Pfad über andere Benutzer zu ermitteln, um den Grad der Vertrauenswürdigkeit zu ermitteln. Dieses System ist vergleichbar mit dem Prinzip des Web-of-Trust, welches bei Public-Key-Infrastrukturen erfolgreich als dezentrales Gegenstück zu zentral angelegten Zertifizierungsstellen fungiert. Hieran ist auch der deutliche Unterschied von Ripple zu Bitcoin oder Ethereum zu erkennen: Während bei Bitcoin und bei Ethereum digitale Werte verwaltet werden, sind es bei Ripple im Wesentlichen digitale Schuldscheine und Vertrauensbeziehungen. Die gesamten Zahlungsmittel sind bereits vorhanden; bei Ripple werden keine neuen Coins durch einen Mining-Prozess geschaffen [25], da Ripple sein Schuldenverzeichnis nicht in einer Blockchain im engeren Sinne verwaltet [26]. Wer also in die Blockchain-Technologie investieren möchte, liegt bei Ripple falsch.

Fazit

Kryptowährungen und allen voran das Bitcoin-System sind eine technische Meisterleistung, die es durch die Verwendung verschiedener kryptographischer Elemente geschafft haben, bis dato stabile Alternativ-Währungen aufzubauen. Ökonomisch bleiben sie zwar nach wie vor schwer kalkulierbar und auch gesellschaftlich wird beispielsweise der beständig steigende Energieverbrauch zur Absicherung der verwendeten Blockchains noch zahlreiche Diskussionen erzeugen. Leser dieses Artikels verfügen nach der Betrachtung von verschiedenen technischen und gesellschaftlichen Aspekten nun jedoch über genügend fundierte Hintergründe, um in solchen Diskussionen mitreden zu können.

Kurz zusammengefasst haben wir in diesem Beitrag erklärt, wie Bitcoins mit Hilfe der sogenannten Blockchain ausgetauscht werden können und woraus sich dieser Begriff ableiten lässt. Wir haben gezeigt, wie die Blockchain mit Hilfe von Hashes und einer Nonce versiegelt und damit unveränderbar gemacht wird, so dass Bitcoins in einem dezentralen Peer2Peer-Netzwerk einander unbekannter Teilnehmer zuverlässig verwaltet werden können. Zudem haben wir erläutert, wie Bitcoins im Zuge dieser Versiegelung als Anreiz für die Bitcoin-Miner in das System gelangen und wie durch die regelmäßige Halbierung dieses Anreizes eine Obergrenze an verfügbaren Bitcoins definiert wird.

Nicht zuletzt haben wir auch die Grundlagen des Handelns mit Bitcoins, wichtige Vorsichtsmaßnahmen dafür, sowie weitere kritische Aspekte beschrieben, so dass Leser sich nun gut informiert in das Abenteuer Kryptowährung wagen können. Chancen zum Millionär zu werden gibt es sicher nach wie vor, ihnen stehen allerdings auch erhebliche Risiken gegenüber. Wir haben Sie nach Kräften informiert...

Quellen
  1. bitcoin.org
  2. bitcoin.de
  3. bitcoins-kaufen.org
  4. Youtube: Bitcoin für Anfänger: Bitcoin Wallet installieren + sichern
  5. BTC-Echo: Mehr Börsenprodukte für den Krypto-Markt: Coinbase kooperiert mit Trading Technologies
  6. Wikipedia: Exchange-traded Note
  7. coinmarketcap.com: Marktkapitalisierung
  8. Wikipedia: Art der Indexreplikation und swapbasierte ETFs
  9. FAZ: Die verflixte Sache mit den Bitcoin-ETF
    Börse online: Bitcoin-ETF ist ein Hindernislauf
  10. ARD/Börse: FAQ zu Bitcoin-Futures
  11. Focus: Kurz erklärt: Was sind eigentlich Leerverkäufe?
  12. Blockchain.info: Hashrate Verteilung: Eine Abschätzung der Hashrate-Verteilung unter den größten Mining-Pools
  13. GIGA: Steam: Mit Bitcoins bezahlen – geht das?
  14. Bloomberg: Bitcoin Ban Expands Across Credit Cards as Big U.S. Banks Recoil
  15. Welt: EZB fordert strengere Bitcoin-Regeln
  16. Spiegel Online: Regierung befürchtet Fahrverbote auch für neue Diesel
  17. Focus Money Online: Harvard-Ökonom Rogoff: "Staatliches digitales Geld wird kommen"
  18. Infranken: Neue Staatsministerin für Digitales: Unterfränkin Dorothee Bär setzt auf digitalen Fortschritt
  19. Focus Money Online: Szenario drei: Griechenland führt die Drachme wieder ein
  20. Zeit Online: Venezuela führt eigene Kryptowährung ein
  21. BTC-Echo: Nationale Kryptowährung: Großbritannien und Russland preschen vor
  22. Handelsblatt: China will Bitcoin-Regeln weiter verschärfen
  23. manager magazin: US-Börsenaufsicht bremst Bitcoin-Pläne der Finanzbranche
  24. BTC-Echo: EZB-Präsident Draghi: Haben nicht die Macht, Bitcoin zu regulieren
  25. BTC-Echo: Was ist Ripple?
  26. Cryptolist: Was ist Ripple?

Autoren

Prof. Dr. Frank Dopatka

Frank Dopatka ist 39 Jahre alt und seit 2017 Professor für Web-Development und Game-Engineering an der Hochschule Mannheim.
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Prof. Dr. Oliver Hummel

Oliver Hummel wurde Anfang 2017 auf eine Professur für Big Data an der Hochschule Mannheim berufen. Davor leitete er die Entwicklung einer Big Data-fähigen Middleware zur Datenvernetzung bei einem Start-up im Rhein-Neckar-Raum.
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