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Lara Obst 30. November 2021

Die 10 Schritte der Klimatransformation – Gemeinsam eine klimarelevante Wirtschaft schaffen

Mitte dieses Jahres haben sich die EU-Länder dazu verpflichtet, bis 2030 mehr als 50 Prozent der gesamten Emissionen in Europa zu reduzieren. Auf dem Weg zur Klimakompatibilität bis 2050 stehen wir daher heute gemeinsam vor der Herausforderung, Klimaziele festzulegen und diese in die Praxis umzusetzen. Der Wandel hin zu einer klimarelevanten Wirtschaft ist dabei ein entscheidender Hebel, um effektiv Emissionen einzusparen und eine regenerative Zukunft zu schaffen. Denn das Handeln von Unternehmen und deren Lieferanten hat unmittelbaren Einfluss auf Umwelt und Klima.

Klimarelevantes Wirtschaften bestimmt dabei sowohl die Zukunft unseres Planeten als auch die jedes einzelnen Unternehmens. Nicht nur von Seiten der Politik wächst der Druck, rechtliche Vorgaben und Berichtspflichten einzuhalten, um gemeinsam die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Auch unter Konsument:innen steigt die Nachfrage nach klimafreundlich produzierter Ware und Investor:innen orientieren sich immer häufiger in Richtung nachhaltiger Investitionen. Die aktive Integration von Klimabelangen in die Unternehmensführung bietet also großes Potenzial für Unternehmen, um die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Gemeinsam in die Klimatransformation einsteigen!

Klimakompatibles und CO2-armes Wirtschaften rückt also auf der Agenda vieler Konzerne nach oben. Unternehmen stellen sich die Frage, wie sie dieser Herausforderung begegnen und gleichzeitig die Chancen der Klimatransformation für die eigene Unternehmenstätigkeit nutzen können. Für sie gilt es jetzt, die eigene Verantwortung wahrzunehmen und nicht nur im eigenen Geschäftsbereich Emissionen einzusparen, sondern auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette klimarelevante Kaufentscheidungen zu treffen.

Die 10 Schritte der Klimatransformation

Im Folgenden gehen wir zehn Schritte durch, mit denen Unternehmen ihre gesetzten Klimaziele in konkrete Maßnahmen überführen und ein effektives Klimamanagement entwickeln können.

1. Transparenz und offener Dialog mit Stakeholder:innen

Transparente Kommunikation mit allen beteiligten Stakeholder:innen ist die Grundlage, um effektive Maßnahmen zur Emissionsreduktion einzuleiten. Denn die meisten Herausforderungen lassen sich gemeinsam am besten bewältigen. Unter enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist es möglich, eine vertrauensvolle und langfristig stabile Kooperation aufzubauen.

Häufig fehlen im eigenen Unternehmen nämlich Ressourcen, Wissen oder Kontakte zu klimarelevanten Akteur:innen der Branche. Aufgrund dessen ist offener Austausch zwischen Klimabeauftragten, Einkäufer:innen und Entscheider:innen die Voraussetzung für gemeinsames Handeln und die erfolgreiche Umsetzung der Klimatransformation.

Denn Klimalösungen gibt es schon! Sowohl kurzfristige Quick Wins – also schnelle und effektive Lösungen – als auch langfristige Maßnahmen und Best Practices. Entlang der neun verschiedenen Impact-Kategorien: Energie, Gebäude, Industrie, Transport, Food, Digitales, Umwelt, Finanzen und Gesellschaft können Unternehmen gemeinsam mit passenden Klimalösungsanbieter:innen individuelle Maßnahmen umsetzen und CO2-Reduktionspotenziale heben. Die Klimatransformation der Wirtschaft erfordert signifikante Umstrukturierung und ganzheitliche Strategien in sämtlichen Sektoren sowie effiziente klimarelevante Alternativen in bestehenden Prozessen. In Zusammenarbeit mit allen Stakeholder:innen ist dies möglich.

2. SDGs in die Unternehmensstrategie integrieren

Bei verantwortungsvoller Unternehmensführung geht es jedoch nicht nur um klimabezogene Belange. Um nachhaltig und klimarelevant zu wirtschaften, sind sowohl Klima- als auch Sozialstandards einzuhalten. Die eigene Unternehmensstrategie in Einklang mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen zu bringen, ist die Grundlage dafür, um die eigene Geschäftstätigkeit ganzheitlich auf Nachhaltigkeit ausrichten zu können [1]. Durch die Implementierung der 17 Ziele in die Unternehmensstrukturen leistet ein Unternehmen einen erheblichen Beitrag zur globalen sozialen Gerechtigkeit und dem Schutz von Menschenrechten im gesamten Produktionsverfahren entlang der Wertschöpfungskette.

3. Klimaziele nach dem Pariser Abkommen festlegen

Das globale Ziel des Pariser Abkommens ist es, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dieses Klimaziel bietet eine wichtige Orientierung für die Wirtschaft. Indem Unternehmen eigene Klimaziele im Einklang mit dem Pariser Abkommen setzen, schaffen sie die Voraussetzung, um im Folgenden effiziente und innovative Maßnahmen ergreifen zu können. Nur so wird die Ausgestaltung einer langfristig funktionierenden, klimakompatiblen Wirtschaft möglich.

Eine Leitlinie für die eigene Zielsetzung sind darüber hinaus die sogenannten Science Based Targets (SBTs) [2]. Dabei handelt es sich um wissenschaftlich fundierte Klimaziele, welche ein konkretes Rahmenwerk für eine realistische Strategie bieten. Die SBTs geben hilfreiche Richtlinien, wie viel Emissionen bis zu welchem Zeitpunkt eingespart werden müssen, um als Unternehmen zukunftsfähig zu bleiben. Eine wirksame Klimastrategie in einem Unternehmen zu entwickeln, bedeutet die Science Based Targets in die Unternehmensstrategie sowie alle Geschäftsentscheidungen zu integrieren. Nur so lassen sich im Einklang mit dem Pariser Abkommen effizient Klimaziele im eigenen Unternehmen umsetzen.

4. CO2-Fußabdrücke von Unternehmen und Produkten messen

Die unternehmenseigenen Treibhausgasemissionen zu erfassen ist relevant, um die Klimawirkung des eigenen Unternehmens realistisch einschätzen zu können. Hierunter verstehen wir nicht nur die Emissionen, die direkt durch die Unternehmenstätigkeit selbst anfallen (Scope 1 und 2), sondern auch die, welche entlang der gesamten Lieferkette entstehen (Scope 3). Die richtigen Daten zu messen bildet die Grundlage dafür, individuelles Reduktionspotenzial aufzudecken und im Folgenden passende Maßnahmen zu entwickeln. Dies stellt für viele Unternehmen jedoch immer noch eine Herausforderung dar. Obwohl die indirekten Emissionen entlang der Lieferkette bis zu 90 Prozent des gesamten CO2-Fußabdrucks ausmachen, kennen und veröffentlichen laut Carbon Disclosure Project (CDP)[3] lediglich 35 Prozent aller Unternehmen ihre Scope-3-Emissionen. Jedoch ist dies einer der wichtigsten Schritte, um das eigene Unternehmen erfolgreich zu transformieren.

Für die ganzheitliche Erfassung der eigenen Klimawirkung sind jedoch nicht nur die Emissionen von Bedeutung. Gleichermaßen sollte betrachtet werden, wie das Unternehmen als Ganzes wirtschaftet. Hierzu gehören umfangreiche Analysen aller Unternehmensbereiche, wie auch das Klima- und Risikomanagement sowie die Klimastrategie und -ziele eines Unternehmens. Die Klimaleistung eines Unternehmens gibt somit Aufschluss über die Reduktionspotenziale eines Unternehmens als auch darüber, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um die eigene Klimawirkung kontinuierlich zu verbessern.

5. CO2-Reduktionspotenziale identifizieren

Auf Basis der erfassten Daten können die individuellen Reduktionspotenziale eines Unternehmen aufgedeckt werden. Die eigene Klimaleistung nachvollziehen zu können, ist die Grundlage dafür, konkrete Handlungsmaßnahmen zu ergreifen, Prozesse und Betriebsabläufe anzupassen und klimarelevante Alternativen zu integrieren. Dies bietet die Möglichkeit, genau dort anzusetzen, wo das Unternehmen am ehesten schnelle und effektive Fortschritte erzielt. Unternehmen können vor allem in den Bereichen in Lösungen investieren, wo Veränderung besonders zielführend ist und großes Potenzial für die eigene Klimaleistung vorliegt.

6. Reduktionsfahrplan erstellen

Eine wirksame Klimaschutzstrategie in Form eines individuellen CO2-Reduktionsfahrplans zu entwickeln, ist ein unumgänglicher Schritt, um CO2-Reduktionsmaßnahmen langfristig einschätzen und planen zu können.

Laut dem Carbon Disclosure Project (CDP) brauchen Unternehmen heute ca. sechs Jahre, um von der ersten Erfassung der eigenen Emissionen und der eigenen Klimawirkung in die effektive Umsetzung und ein wirksames Management von Reduktionsmaßnahmen zu kommen.

Um als Unternehmen bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen, muss das jedoch schneller vonstatten gehen. Der Einsatz effektiver Klimalösungen sollte in einem konkreten Reduktionsfahrplan organisiert werden. Mithilfe von Zwischenzielen können Unternehmen die eigenen Fortschritte aktiv mitverfolgen und so die eigens gesetzten Klimaziele Schritt für Schritt in die Praxis umsetzen. Dies unterstützt ein wirksames Klimamanagement und ermöglicht, Erfolge sowie Misserfolge frühzeitig einschätzen zu können.

7. Einbindung der Lieferkette

Um effektiv CO2 einzusparen, reicht es nicht aus, lediglich die unternehmensinternen Emissionen anzugehen. Die Verbesserung der eigenen Klimawirkung kann langfristig nur unter Einbeziehung der Lieferant:innen gelingen. Der Großteil der Emissionen eines Unternehmens entsteht entlang der Wertschöpfungskette. Diese Emissionen umfassen sowohl die Produktionsverfahren der Lieferanten als auch solche, die durch Transport und Lieferungen auftreten. Die Einbindung der gesamten Lieferkette bietet somit großes Potenzial, um die eigene Klimaleistung zu verbessern.

Auch das Lieferkettenschutzgesetz wird Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten ab dem Jahr 2023 dazu verpflichten, Umwelt- und Sozialstandards entlang der gesamten Lieferkette einzuhalten. Dies bedeutet, dass Unternehmen erstmals nicht auf freiwilliger Basis, sondern aufgrund rechtsverbindlicher Vorgaben dazu aufgefordert sind, Verantwortung für die Arbeitsbedingungen und Umweltbelange der Lieferant:innen zu übernehmen. Dazu gehört, die Produktionsverfahren der mittelbaren und unmittelbaren Lieferant:innen kritisch zu hinterfragen. Ein effektives und klimakompatibles Lieferkettenmanagement funktioniert jedoch in erster Linie unter enger Zusammenarbeit mit den Lieferant:innen. Dadurch wird eine langfristig und vertrauensvolle Kooperation ermöglicht und Risiken, wie z. B. Lieferausfall minimiert.

Das bedeutet: Klimakompatible Einkaufsentscheidungen zu treffen und nachhaltige Beschaffungspraktiken zu entwickeln, gehört zu einem der größten Hebel der Klimatransformation eines Unternehmens.

8. Kontinuierliche Auswertung und kritische Überprüfung der Fortschritte

Die Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen und auszuwerten ist entscheidend für die erfolgreiche Klimatransformation eines Unternehmens. Dabei sollte sich ein Unternehmen die Frage stellen, welche Maßnahmen sich als effizient erweisen und an welchen Stellschrauben noch gedreht werden muss. Eine regelmäßige Überprüfung der Fortschritte ist essenziell, um die eigenen Best Practices zu identifizieren und Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen. Um die Klimatransformation voranzutreiben, sollte ein Unternehmen die bisherigen Entwicklungen nachvollziehen, um die nächsten Schritte einzuschätzen. So lassen sich Prozesse optimieren und Maßnahmen anpassen.

9. Verbesserungsstrategien in die Tat umsetzen

Auf Basis regelmäßiger Kontrollen der Maßnahmen und relevanter Klimadaten lassen sich effektive Verbesserungsstrategien entwickeln. Um echten Fortschritt zu erzielen, ist es entscheidend, aus vergangenen Fehlern zu lernen und stetig neue, innovative Lösungen zu realisieren. In Kooperation mit allen Stakeholder:innen und entlang der gesamten Lieferkette können so erprobte Maßnahmen umgesetzt werden.

Ziele setzen und Maßnahmen umsetzen ist nur ein Teil der Klimatransformation.

Aktiv gelebter Klimaschutz im Unternehmen schafft direkten, positiven Einfluss auf die Unternehmensbewertung und reduziert künftige Risiken. Klimaschutz im Kernbereich eines Unternehmens im Blick zu haben und regelmäßige Analysen und Überprüfungen der Maßnahmen als Basis zu nutzen, um Prozesse zu verbessern, trägt zur Resilienz eines Unternehmens bei und stärkt frühzeitig beeinträchtigte Geschäftstätigkeiten. Unternehmen nutzen die Chance, jetzt in die Klimatransformation einzusteigen und mit stetig optimierten Strategien die eigene Klimaleistung zu verbessern und zukunftsfähig zu bleiben.

10. Verabschiedung von Berichts- und Wirkungsstandards

Last but not least: Eine transparente Berichterstattung! Ziele setzen und Maßnahmen umsetzen ist nur ein Teil der Klimatransformation eines Unternehmens. Ebenso bedeutsam ist die Kommunikation der Klimastrategie und der Erfolge im Unternehmen. Eine transparente Berichterstattung hilft nicht nur dabei, die Entwicklungen im eigenen Unternehmen nachzuvollziehen, sondern schafft auch Transparenz gegenüber Stakeholder:innen und Investor:innen.

Künftig werden immer mehr Unternehmen dazu aufgefordert sein, Berichtspflichten einzuhalten und relevante Klimadaten offenzulegen. Durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)[3], einer EU-weiten Berichtspflicht kommen ab November 2022 auf rund 15.000 in Deutschland neue Verpflichtungen zu. In Form von Nachhaltigkeitsberichten sind berichtspflichtige Unternehmen dazu aufgefordert, relevante Informationen zur Strategie, dem eigenen Geschäftsmodell, klimabezogener Risiken sowie Chancen zu erbringen. Darüber hinaus sollen Nachhaltigkeitsziele und Fortschritte transparent offengelegt sowie die Umsetzung eines funktionalen Klimamanagements dokumentiert werden. Zudem verlangt die CSRD eine externe Prüfungspflicht, welche die Richtigkeit der Angaben sichern soll.

Ziel der CSRD ist es, Transparenz zu schaffen und Investor:innen und Stakeholder:innen vergleichbare Informationen zu klimabezogenen und ökologischen Belangen offen zugänglich zu machen. So sollen Kapitalströme zunehmend in nachhaltige Geschäftsmodelle gelenkt werden.

Die Chancen der Klimatransformation jetzt nutzen

Um die 10 Schritte der Klimatransformation umzusetzen gibt es schon zahlreiche Tools. Softwarebasierte Lösungen zum Rating der CLIMATE-Performance ermöglichen es Unternehmen, die eigene Klimawirkung bis in die Lieferkette hinein zu analysieren und Handlungspotenziale zu entdecken. Entlang international anerkannter Standards kann ein Unternehmen die eigene Klimaleistung realistisch einschätzen. Auf Basis dessen lassen sich an den richtigen Stellen CO2-Reduktionsmaßnahmen einleiten und in Kooperation mit zertifizierten Klimalösungsanbieter:innen Emissionen einsparen.

Autorin

Lara Obst

Lara Obst ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von THE CLIMATE CHOICE, der klimadaten-getriebenen B2B-Plattform zur Dekarbonisierung von Unternehmen und ihren Lieferketten.
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