Über unsMediaKontaktImpressum
Elena Bochkor & Dr. Veikko Krypczyk 23. März 2021

Integrationsplattformen – Neues wagen und Bewährtes nutzen

Mit dem stetigen Fortschritt der Digitalisierung stellt sich zunehmend die Frage, wie Sie bewährte und neue informationstechnische Lösungen miteinander integrieren. Statt eines digitalen Flickenteppichs sind Integrationsplattformen gefragt. Diese richten Sie am besten am Kundennutzen aus. 

Die Digitalisierung erobert im Eiltempo eine Vielzahl von Branchen und führt zu großen Veränderungen bestehender Abläufe. Etablierte Geschäftsprozesse und die Art der Kommunikation zwischen den Beteiligten stehen dabei umfassend auf dem Prüfstand und werden teilweise radikal angepasst. Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht das Ausmaß der durchgeführten und anstehenden Veränderungen. Die Beziehung zwischen einer Versicherung und ihren Kund:innen ist üblicherweise durch den Austausch unzähliger papiergebundener Dokumente wie Anträge, Belege usw. gekennzeichnet. Im Zuge der Digitalisierung verändert sich der Geschäftsprozess schrittweise. Als erstes ist beispielsweise denkbar, dass die Kund:innen und die Sachbearbeitenden Informationen auf dem Weg der E-Mail-Kommunikation austauschen. Geschäftsvorfälle können sie jedoch meist in diesem Status noch nicht vollständig auf digitalem Weg erledigen oder rechtssicher abschließen. Auch die Bearbeitung der Vorgänge ist weiterhin von einer Vielzahl von Medienbrüchen gekennzeichnet – beispielsweise beim Wechsel von papiergebundenen Dokumenten auf eine digitale Version oder beim Datenaustausch zwischen verschiedenen IT-Systemen.

Strategische Ausrichtung

Die Ziele einer umfassenden Digitalisierung im unternehmerischen Kontext sind daher weitgehend. Dazu gehören im Kern die folgenden Punkte:

  • Geschäftsprozesse: Bestehende Arbeitsabläufe sind so zu modifizieren, dass diese möglichst einer vollständig digitalen Bearbeitung zugänglich sind.
  • Ganzheitliche IT: Integration bestehender und neuer IT-Infrastruktur, um Medienbrüche zu vermeiden und eine durchgängige, weitgehend automatische Bearbeitung zu gewährleisten.
  • Datenschutz und -sicherheit: Ermöglichung eines rechtssicheren Managements der Dokumente, zum Beispiel mit Hilfe digitaler Signaturen und einer sicheren Datenverschlüsselung.
  • Geräteunabhängigkeit: Unterstützung einer breiten Palette an Frontendgeräten, die durch User frei ausgewählt und eingesetzt werden können. Die Spannweite umfasst die unterschiedlichsten Gerätetypen und Betriebssysteme.
  • User Experience: Erzielen maximaler Nutzerzufriedenheit durch bestmögliche Anpassung an Aufgaben, Erwartungen und Erfahrungshintergrund – insbesondere mit der Gestaltung eines passgenauen und ansprechenden User Interfaces. Die Nutzung der IT soll zu einem Erlebnis werden.
  • Flexible Skalierung und Anpassung: Weitere Services und Dienste sollten möglichst leicht integriert werden können. Das IT-System muss die Fähigkeit besitzen, flexibel mit den Ansprüchen zu skalieren. Es muss als Unterstützer für die weitere Entwicklung der Geschäftstätigkeit und nicht als mögliche Bremse wirken.

Die Digitale Transformation in einem Unternehmen ist damit kein einmaliges Projekt, sondern ein stetiger Prozess, der mit einem ersten Vorhaben startet. Das Ziel dieses Prozesses ist das so genannte Digitale Unternehmen, in dem anhand der Wertschöpfungskette die einzelnen Elemente – beginnend von den Lieferant:innen bis hin zu den Kund:innen – eingebunden werden (Tabelle 1).

Tabelle 1: Die Elemente der digitalen Wertschöpfungskette. In Anlehnung an [1].

LieferantenDigitale DatenKunden
Lieferanten werden über digitale Services an die eigenen IT-Systeme angebunden. Bestellungen, Lieferdokumente und die gesamte Zahlungsabwicklung kann zum Nutzen der Beteiligten beschleunigt, papierlos und damit vereinfacht werden.Die Daten sind die Basis für alle Prozesse. Im Sinne einer umfassenden Strategie sind die Daten aus unterschiedlichsten Quellen zu integrieren. Unter anderem stammen Daten aus der Digitalisierung analoger Dokumente oder von Maschinen und Sensoren (Internet of Things).Hier differenziert man zwischen Business-Kunden (B2B) und Endkunden (B2C). Eine Versicherung kann beispielsweise eine App zur Verfügung stellen, über welche Anträge, Meldungen, Bestätigungen usw. abgewickelt werden. Eine Vernetzung mit Unternehmenskunden führt zu Vereinfachungen bei Bestellungen, Lieferdokumenten und der Zahlungsabwicklung.
Geschäftsprozesse
Anpassung der Geschäftsprozesse, um eine möglichst weitgehend digitale und automatisierte Bearbeitung zu ermöglichen. Das Ziel ist ein digitaler Workflow.
MitarbeitendeMaschinen und RoboterIT-Systeme
Die Digitalisierung hat erhebliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Der Ausgangspunkt sind die Mitarbeitenden mit ausschließlich mechanischen Tätigkeiten im Büro oder bei körperlicher Arbeit. Es folgen die Stufen der teildigitalisierten (Nutzung von singulärer IT) und der vernetzten Mitarbeitenden bis hin zum selbststeuernden Roboter (künstliche Intelligenz).Mit dem Fortschritt der Digitalisierung werden auch die verwendeten Werkzeuge der Produktion "intelligenter". Diese Systeme werden nun auch durch Software gesteuert (eingebettete Systeme) und zunehmend vernetzt (Internet of Things). Die Werkzeuge werden damit ein Element des digitalen Unternehmens.Umfasst neue und bisherige IT-Systeme, die zu integrieren sind.
Digitale Produkte
In einigen Bereichen werden die Produkte auch selbst digitalisiert. Ein Beispiel ist die Entwicklung vom analogen Medium zur Speicherung der Musik bis zur Nutzung eines Streaming-Dienstes.

Entscheidend für den Erfolg der digitalen Transformation ist der Aufbau einer integrierenden IT. Diese arbeitet als Middleware zwischen Bestands- und neu aufgebauter Soft- und Hardwaretechnologie.

Integration und Transformation in der Praxis

In der Praxis stellt sich die Situation oft in der folgenden Art dar. Ein bestehendes und sich im Einsatz bewährtes IT-System muss im Zuge der Digitalisierung zum Beispiel um Mobile Services (Mobile Enterprise Computing) erweitert werden. Dazu ist eine App für die mobilen Systeme für die Nutzung auf einem Smartphone bzw. Tablet zu erstellen. Mit Hilfe einer solchen App sollen die User (Kund:innen, Mitarbeitende) bestimmte Geschäftsvorgänge zeitlich und räumlich flexibel anstoßen bzw. erledigen oder Daten ändern können. Die Anbindung der neuen IT-Infrastruktur (mobile App) an die bestehende IT-Landschaft ist eine Herausforderung. Für die Verbindung zwischen den IT-Systemen unterschiedlicher Epochen und Ausrichtung kann eine integrierende Middleware eingesetzt werden (Abb. 1).

In der Praxis muss diese stets an die konkreten Belange des Einzelfalls angepasst werden. Es bietet sich zum Beispiel der Einsatz einer universell einsetzbaren Multi-Experience-Plattform wie der von EASY ApiOmat [2] an. Diese arbeitet an der Schnittstelle von Business und IT und erlaubt eine Konzentration auf die fachlichen Aspekte (Use Cases). Eine solche Plattform unterstützt die fachlichen und technischen Experten mit Lösungsangeboten aus den folgenden Bereichen (s. Abb. 2).

  • Integration von Soft- und Hardware auf beiden Seiten der IT durch flexible Programmierschnittstellen und Konnektoren.
  • Leichte Skalierbarkeit der zu vermittelnden Anfragen zwischen den einzelnen Systemen und damit Sicherstellung des Betriebs auch unter wachsender Auslastung und Nutzung.
  • Produktivitätstools zur schnellen Umsetzung neuer Anforderungen, zum Beispiel ein Rapid Prototyping für neue mobile Lösungen.
  • Integrierte Analysefunktionen zur Erforschung des tatsächlichen Nutzerverhaltens, um die weitere Anpassung der Entwicklung besser auszurichten.

Schwerer als die technischen Aspekte wiegen jedoch die Herausforderungen mit Blick auf die Anpassung der Geschäftsprozesse. Gelingt es – wie im Beispiel angedeutet – die mobile IT-Lösung und die Bestands-IT miteinander zu integrieren, können auf dieser Basis vollständig andere Arbeitsweisen der Mitarbeitenden oder der Kundeninteraktion umgesetzt werden. Diese können Daten jederzeit mobil erfassen und ändern. Kund:innen sind in der Lage, mit dem IT-System zu interagieren und beispielsweise den Status von Vorgängen (Liefertermine, Bearbeitungsstand von Anträgen usw.) nachzuvollziehen oder die eigenen Stammdaten (persönliche Daten, Adressdaten) eigenständig bei Bedarf anzupassen. Auf diese Weise können Prozesse beschleunigt, die Mitarbeitenden- und Kundenzufriedenheit erhöht und ein Vorsprung im Wettbewerb durch eine Verbesserung des Services erarbeitet werden.

Fazit

Die digitale Transformation umfasst die Bereitstellung digitaler Services für die unterschiedlichsten Bereiche und Aufgaben eines Unternehmens. So unterschiedlich die Herausforderungen auf Ebene des Business sind, so ähnlich sind die Anforderungen an die Technik. Oft müssen neue IT-Services, zum Beispiel eine Mobile App oder eine moderne Web-Applikation, entwickelt und bereitgestellt werden. Dabei werden keine neuen Insellösungen angestrebt, sondern es muss eine tiefe Integration in die Bestands-IT erfolgen. Eine verbindende Middleware mit der Fokussierung auf einen maximalen Kundennutzen und Business Value kann eine Lösung sein und damit den Prozess der Digitalisierung einen großen Schritt voranbringen.

Quellen
  1. W. Appelfeller, C. Feldmann, 2018: Das digitale Unternehmen
  2. Easy Software: Multi-Experience – für jedes Device, für jeden Service

Autoren

Elena Bochkor

Elena Bochkor ist studierte Wirtschaftsinformatikerin. Sie setzt sich u.a. mit Fragen der digitalen Transformation, des Mobile Computings und weiteren Zukunftsthemen auseinander.
>> Weiterlesen

Dr. Veikko Krypczyk

Dr. Veikko Krypczyk arbeitet u. a. als Softwareentwickler, Fachautor und Dozent. Über die Firma LARInet gibt er darüber hinaus sein Wissen in Schulungen zu aktuellen Fragestellungen der IT weiter.
>> Weiterlesen
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare (0)

Neuen Kommentar schreiben