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Alan Jacobson 11. Januar 2022

Ohne No-Code keine digitale Transformation

Überall auf der Welt steht die digitale Transformation für Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Doch im internationalen Vergleich hinkt Deutschland deutlich hinterher. Grund dafür ist die fehlende digitale Infrastruktur, die die Wirtschaft jedoch braucht, um Prozesse automatisieren und selbst größte Datenmengen nutzbar machen zu können. Was den Ausbau eines modernen Gigabit-Netzes betrifft, belegt Deutschland laut "Digital Economy and Society Index" sogar gerade einmal Rang 21 – und landet damit im unteren Drittel [1]. Kein Wunder also, dass Unternehmen hierzulande das Vorantreiben der Digitalisierung als wichtigste Aufgabe für die neue Bundesregierung betrachten, nachdem diese Thematik unter der früheren Kanzlerin Angela Merkel zu häufig vernachlässigt wurde. Ergeben hat das eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer, für die rund 3.500 Unternehmen befragt wurden [2].

Viele übersehen dabei jedoch, dass eine moderne Infrastruktur allein nicht die Antwort auf alle Herausforderungen ist, die es heute und in Zukunft zu bewältigen gilt. Wer auch künftig innovativ und erfolgreich sein will, der muss jetzt vor allem die bestehende Abhängigkeit von Programmierern beenden. Sie sind nicht nur sehr teuer, sondern es gibt auch schlichtweg zu wenige, um mit ihrer Hilfe alle Probleme in dem Tempo zu lösen, das notwendig wäre, um auf globaler Ebene mithalten zu können. Sinnvoller ist es stattdessen, code-freie Tools einzusetzen, mit denen alle Mitarbeitenden aktiv zur digitalen Transformation des Unternehmens beitragen können – und zwar von den Praktikanten bis zur Chefetage.

Dass es genau daran in den meisten Unternehmen noch mangelt, hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die Alteryx in Zusammenarbeit mit YouGov durchgeführt hat: Hier sagten nur 30 Prozent der Befragten, dass sie bereits über die Tools verfügen, die ihnen dabei helfen, Daten gewinnbringend einzusetzen. Sogar noch weniger, nämlich gerade einmal ein gutes Fünftel, gab an, bereits entsprechend geschult worden zu sein. Dieses ernüchternde Ergebnis beweist: Bis Unternehmen auf täglicher Basis wirklich unabhängig von Programmierern arbeiten können, gibt es noch einiges zu tun.

Die Rolle von Programmierern – damals und heute

Das, wofür Programmierer stehen, hat sich in der Vergangenheit stark gewandelt. In den 80ern handelte es sich um einen Job, der nur von echten Technologie-Nerds ausgeführt werden konnte – doch tatsächlich beginnt die Geschichte des Programmierens bereits lange davor. Im Jahr 1883 schrieb Ada Lovelace beispielsweise die allererste Programmiersprache, um die Bernoulli-Zahl zu berechnen. Und 1957 wurde Fortran 5 entwickelt und von der NASA zum Betrieb der Voyager-Sonden verwendet. Seitdem hat sich das Programmieren drastisch weiterentwickelt und von C+ bis SQL mehr als 500 verschiedene Programmiersprachen hervorgebracht, die nicht nur dabei halfen, den Weltraum zu erobern, sondern auch simple Computerspiele wie Tetris auf unsere Bildschirme brachten.

Jahrzehntelang war das klassische Programmieren ein wichtiger Bestandteil unserer IT-Landschaft. Anders war es schließlich nicht möglich, mit Computern zu kommunizieren und sie dazu zu bringen, bestimmte Aufgaben auszuführen. Ob sie mit der Konkurrenz Schritt halten und Innovationen anstoßen können, hängt für zahlreiche Unternehmen auch heute noch von Programmierern ab. Gibt es ein technologisches Problem, zum Beispiel weil eine zusätzliche Informationszeile zu einer historisch gewachsenen Datenbank hinzugefügt werden muss, braucht es immer einen Experten, der die notwendigen Fähigkeiten besitzt, um diese dem Code hinzuzufügen.

Doch weil die Ansprüche der Endnutzer ständig wachsen, um ihren Job möglichst effizient ausführen zu können, gibt es auch immer mehr Probleme, die gelöst werden müssen. Genau aus diesem Grund hat sich das Programmieren zu einem gefragten und äußerst gut bezahlten Beruf weiterentwickelt, der inzwischen sogar einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt. Selbst Kinder werden bereits dazu motiviert, Programmieren zu erlernen. Trotzdem übersteigt die Nachfrage immer noch bei Weitem das Angebot, das aktuell auf dem Arbeitsmarkt verfügbar ist. Um eine Programmiersprache zu erlernen, braucht es etwa sechs Monate – Zeit, die nur in den wenigsten Unternehmen verfügbar ist, um die eigenen Mitarbeitenden entsprechend fortzubilden. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es nicht selten mehrere Monate dauert, bis bestimmte Projekte von Programmieren umgesetzt werden und dadurch die bestehenden Probleme ganzer Abteilungen gelöst werden können.

No-Code ebnet den Weg in eine digitale Zukunft

Dieser Wandel führt dazu, dass sich die exklusive Rolle, die Programmierer in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Unternehmenskontext inne hatten, in Zukunft erneut stark verändern wird. Um den ständig wachsenden Bedarf decken zu können, müssen andere Lösungen her – und diese beginnen immer häufiger mit code-freien Tools, die den Einsatz von Datenanalysen, Automatisierung und Künstlicher Intelligenz auch ohne spezielle Kenntnisse im großen Stil ermöglichen. Mit ihrer Hilfe ist es den Mitarbeitenden möglich, selbstständig kleine Optimierungen vorzunehmen oder Prozesse zu automatisieren – und zwar ebenso leicht wie die Erstellung von Inhalten mit Word, Excel oder PowerPoint.

Dadurch bekommen sie die Chance, selbst auf täglicher Basis zur digitalen Transformation des Unternehmens beizutragen. Gleichzeitig werden Programmierer ihren Expertenstatus im Unternehmenskontext aber nie ganz verlieren. Die Fähigkeit, mit der Technologie in einer formalen Programmiersprache zu kommunizieren, um Ergebnisse zu erzielen, die weit über eine grafische Benutzeroberfläche hinausgehen, wird unersetzlich bleiben. Ihr Aufgabenbereich wird sich lediglich verschieben, sodass sie sich komplexeren Fragestellungen widmen können, anstatt im Kleinen Probleme lösen zu müssen.

Die exklusive Rolle der Programmierer wird sich in Zukunft stark verändern.

Auch Gartner legt mit seinen Untersuchungsergebnissen nahe, dass sich die Stellung von klassischen Programmierern zukünftig ändern wird. So prognostiziert das renommierte Marktforschungsinstitut, dass bis 2024 knapp zwei Drittel aller Anwendungen in einer größtenteils code-freien Umgebung erstellt werden [3]. Und ein Blick in die Praxis zeigt, weshalb sich genau das lohnt: Das 2012 gegründete Unternehmen Gymshark, das Fitnesskleidung und -accessoires verkauft, musste früher einen Tag pro Woche aufbringen, um die Verkaufszahlen der vergangenen sieben Tage zusammenzufassen und die leistungsstärksten Produkte und Märkte zu analysieren. Die zu diesem Zeitpunkt angewandten Prozesse waren also nicht nur extrem zeit-, sondern damit auch kostenintensiv – und das sind zwei wesentliche Ressourcen, die angesichts des sich zuspitzenden Konkurrenzkampfs keinesfalls verschwendet werden sollten.

Das hat auch Gymshark verstanden und deshalb nach einer modernen Lösung gesucht, mit deren Hilfe es möglich wäre, bei der regelmäßigen Erstellung von Zusammenfassungen sowohl Zeit als auch Geld einzusparen. Gefunden hat es diese in einfach nutzbaren Self-Service-Tools. Durch sie konnte die Erfassung der wöchentlichen Verkaufszahlen, genauso wie das Ermitteln der beliebtesten Produkte vollständig automatisiert werden. Und auch Stratasys, ein Experte für 3D-Druck, konnte auf diese Weise die Zeit, die für die regelmäßige Erstellung von wöchentlichen und vierteljährlichen Berichten benötigt wird, deutlich reduzieren – und zwar von fünf Stunden auf nur 30 Minuten.

Gemeinsam für die digitale Transformation

Während der Amtszeit von Angela Merkel wurde eindeutig zu wenig in die Digitalisierung investiert und die gesetzten Ziele immer wieder aufs Neue verfehlt. Obwohl bereits 2018 eine vollständige Internetabdeckung von 50 Mbit pro Sekunde versprochen wurde, beweist der Breitbandatlas, der auf der Website des Bundesverkehrsministeriums verfügbar ist, dass es immer noch einige Regionen in Deutschland gibt, die von einer so schnellen Verbindung nur träumen können – und das obwohl sich 50 Mbit pro Sekunde inzwischen höchstens als mäßig bezeichnen lassen [4]. Die neue Ampel-Koalition wird auf diese Problematik voraussichtlich einen deutlich größeren Fokus legen, um endlich die Verhältnisse zu schaffen, die es braucht, damit die deutsche Wirtschaft im globalen Vergleich aufschließen kann.

Bei ihrer digitalen Transformation sollten sich Unternehmen aber keinesfalls allein auf die Versprechungen der neuen Bundesregierung verlassen. Sie müssen jetzt selbst investieren, um den digitalen Wandel erfolgreich mitzugestalten. Ihre eigenen Mitarbeitenden spielen dabei eine Schlüsselrolle. Mit Hilfe von No-Code-Tools werden sie dazu befähigt, aktiv zum datengetriebenen Erfolg des Unternehmens beizutragen und dadurch wertvolle Ressourcen einzusparen. Dass der zielgerichtete Einsatz von Daten ihnen dabei hilft, bessere Entscheidungen zu treffen, geben laut der Alteryx-Umfrage schon heute immerhin 78 Prozent der Befragten an – drei Viertel von ihnen außerdem mit deutlich geringerem Zeitaufwand.

Autor

Alan Jacobson

Alan Jacobson ist Chief Data and Analytics Officer bei Alteryx. Er treibt wichtige Dateninitiativen voran und unterstützt die Kunden, ihre digitale Transformation zu beschleunigen.
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