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Persönlichkeiten der Informatik 04. September 2019

John McCarthy

Künstliche Intelligenz und Cloud-Computing – zwei Begriffe, die heute nicht mehr wegzudenken sind. Doch wer prägte die Ausdrücke und wo fanden die Ideen ihren Ursprung? Um diese Fragen zu beantworten, kommt man an einer Person nicht vorbei: John McCarthy, Künstliche-Intelligenz-Pionier und Cloud-Computing-Vordenker, wäre heute 92 Jahre alt geworden.

Juli 1955: Zehn Personen registrieren sich für einen Workshop am Massachusetts Institute of Technology (MIT), bei dem sie selbst noch nicht genau wissen, worum es eigentlich gehen soll. Denn inhaltlich soll "Artificial Intelligence", also Künstliche Intelligenz, behandelt werden. Ein Begriff, der zum damaligen Zeitpunkt vorher noch nie benutzt wurde. Was die Teilnehmer ebenfalls nicht ahnten: sie würden das Forschungsprogramm rund um Künstliche Intelligenz in den nächsten 20 Jahren rudimentär verändern. Einer der Initiatoren und Namensgeber des Projekts war John McCarthy.

Jeder Aspekt des Lernens und andere Eigenschaften von Intelligenz können im Prinzip so präzise beschrieben werden, dass eine Maschine sie simulieren kann. Der Grundgedanke von Künstlicher Intelligenz war geboren.

McCarthy wurde am 4. September 1927 in Boston, Massachusetts, als Sohn von John Patrick McCarthy und Ida Glatt geboren. Seine Eltern flohen während der Weltwirtschaftskrise aus Irland und Litauen in die USA und begannen dort ein neues Leben. Lange blieben sie jedoch nicht an der Ostkünste, da John ein kränkliches Kind war, sodass die Familie aufgrund seiner Gesundheit nach Los Angeles zog, um ihm dort eine bessere ärztliche Versorgung zu ermöglichen. Der Umzug nach Los Angeles wurde für McCarthy entscheidend: Denn bereits als Jugendlicher begann er, Bücher über Mathematik am nahegelegenen California Institute of Technology (Caltech) zu lesen. Als er sich 1944 als Mathematikstudent am Caltech einschrieb, übersprang er aufgrund seines Vorwissens die ersten beiden Jahre des Studiums. Da er allerdings die vorgeschriebenen Sportkurse an der Caltech nicht besuchte, suspendierte ihn die Universität kurz darauf wieder vom Studium. Daraufhin diente er kurze Zeit in der US-Armee, kämpfte im zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg konnte er, trotz vorheriger Suspendierung, sein Studium wiederaufnehmen und schloss es 1948 mit dem Bachelor of Science in Mathematik ab.

Ursprung von Künstlicher Intelligenz bereits in 1950er Jahren

Während er ab 1949 an seiner Doktorarbeit an der Princeton-Universität arbeitete, forschte er bereits an Künstlicher Intelligenz – ohne jedoch konkret den Begriff zu verwenden. Einen Namen gab er seinen ersten Ideen erst 1955, zusammen mit den Informatikern Claude Shannon, Marvin Minsky und Nathaniel Rochester im erwähnten Forschungsantrag zum KI-Workshop. Die Idee der Forscher: "Jeder Aspekt des Lernens und andere Eigenschaften von Intelligenz können im Prinzip so präzise beschrieben werden, dass eine Maschine sie simulieren kann." Der Grundgedanke von Künstlicher Intelligenz war geboren.

Einen Durchbruch für Künstliche Intelligenz prognostizierte McCarthy in "fünf bis 500 Jahren". Doch nicht nur der Begriff Künstliche Intelligenz ist untrennbar mit McCarthy verbunden. Einen wichtigen Bestandteil unserer heutigen Forschung und Entwicklung programmierte McCarthy bereits in den 50er Jahren: die Programmiersprache Lisp. Sie wurde zur Standard-KI-Programmiersprache und wird bis heute nicht nur in der Robotik und anderen wissenschaftlichen Anwendungen, sondern auch in einer Vielzahl von internetbasierten Diensten verwendet. Sie ebnete auch den Weg für Spracherkennungstechnologie, darunter Apples Sprachassistent Siri.

Vordenker seiner Zeit: Computer, die Grundlage einer neuen Industrie?

Zum hundertjährigen Bestehen des MIT im Jahr 1961 hielt McCarthy eine Rede, in der er eine Entwicklung beschrieb, welche heute unter dem Begriff Cloud-Computing gefasst werden kann: "Wenn Computer der Art, wie ich sie befürworte, sich in der Zukunft durchsetzen, wird Rechenkraft eines Tages vielleicht als Versorgungsdienstleistung organisiert sein, so wie es heute das Telefonnetz ist. Die Computerversorger könnten die Grundlage einer neuen, wichtigen Industrie sein."

Homepage ersetzt Lebenslauf

1962 wurde McCarthy Informatik-Professor an der Stanford-Universität und leitete dort von 1965 bis 1980 das Artificial Intelligence Laboratory. Weil er ständig mit dem Ausfüllen von Formularen zu seiner Laufbahn beschäftigt war, ob für Universitäten, an denen er Gastvorträge hielt oder staatliche Organisationen, legte er kurzerhand eine eigene Homepage an, die bis heute in seiner Ursprungsform existiert. Dort sind seine aus eigener Sicht wichtigsten Errungenschaften gelistet. Schon damals träumte er davon, dass Programme Informationen automatisch von zum Beispiel Homepages abrufen können.

Wer sich weigert, zu rechnen, ist dazu verdammt, Unsinn zu reden.

Auch nach seiner Pensionierung 2001 kommentierte McCarthy das Weltgeschehen in Usenet-Foren. Einige seiner Denkanstöße finden sich auf seiner Webseite zu Nachhaltigkeit, die "darauf abzielt, zu zeigen, dass menschlicher materieller Fortschritt wünschenswert und nachhaltig ist." Zudem setzte er sich für die Bedeutung von Mathematik und im speziellen Mathematikunterricht ein. In seiner E-Mail-Signatur fand sich jahrelang der Slogan: "Wer sich weigert, zu rechnen, ist dazu verdammt, Unsinn zu reden." Außerdem schmückte ein Aufkleber mit dem Satz "Do the arithmetic or be doomed to talk nonsense" das Nummernschild seines Autos.

Zu seinen größten Auszeichnungen gehören der Turing-Award (1971), der Kyoto-Preis (1988) und die National Medal of Science (1991). Am 24. Oktober 2011 verstarb John McCarthy im Alter von 84 Jahren in Pablo Alto, Kalifornien.

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