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04. Juli 2017

Blockchain – Was ist dran an dem Hype?

Das Blockchain-Lab des Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT hat erste Prototypen entwickelt und zeigt Chancen und Herausforderungen der Technologie.


Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT hat vor einem Jahr ein Blockchain-Lab eröffnet. Hier identifizieren die Experten des FIT Anwendungsfälle und entwickeln Prototypen. Die integrativen Lösungsangebote des Blockchain-Lab basieren auf der Trias aus Geschäftsmodell, Technologie und Recht, die Kunden kommen aus allen Bereichen der Wirtschaft.

"Wenn die Leute Blockchain hören, denken viele nur an den Zahlungsverkehr und Bitcoins. Doch das Potential der Technologie liegt vor allem im Bereich der Nachvollziehbarkeit von Prozessen", sagt Prof. Dr. Gilbert Fridgen vom Fraunhofer FIT.

Was ist eine Blockchain?
Unter Blockchain muss man sich eine eine Art dezentrale Datenbank vorstellen. Dabei speichert jeder Blockchain-Teilnehmer die komplette Datenbank auf seinem Rechner lokal. Werden neue Daten hinzugefügt, aktualisiert sich die Blockchain überall. "Weil jeder Teilnehmer eine aktuelle Kopie der Datenbank hat, ist sie kaum manipulierbar", erklärt Prof. Wolfgang Prinz, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer FIT. Jeder Datenblock ist mit dem nächsten kryptografisch verknüpft, das macht die Datenbank noch sicherer. Würde jemand versuchen, Inhalte der Blockchain zu ändern, würde dies sofort von allen anderen Teilnehmern erkannt.

Jeder Schritt eines Prozesses wird in einer Blockchain mit allen dazugehörigen Daten sicher und irreversibel festhalten. Ein gutes Anwendungsbeispiel wäre z. B. die unternehmensinterne Dokumentation. "Revisionen könnten wesentlich schneller, einfacher und kostengünstiger von statten gehen, wenn alle prüfungsrelevanten Dokumente in eine Blockchain eingeschrieben würden", erklärt Fridgen. Denn aus ihr ginge zweifelsfrei hervor, wer was wann wie getan habe. "Hier haben eigentlich alle unsere Workshop-Teilnehmer aufgehorcht. Vor allem in stark regulierten Branchen geht der Aufwand für Revisionen häufig in die Millionen."

Geschäftsmodelle
Viele Geschäftsprozesse lassen sich mit Blockchain-Lösungen gut umsetzen. Experten des Blockchain-Lab haben einen Prototyp für die Abwicklung des weltweiten Warenhandels entwickelt. Von der Auftragserteilung bis hin zur Warenlieferung kann jeder Schritt des Geschäfts sicher, transparent und nachvollziehbar dokumentiert werden. Bisher galten die Banken als Garanten vertrauensbildender Instanzen über Ländergrenzen hinweg. "In Zukunft könnte unsere Blockchain-Lösung diese Rolle übernehmen." Generell sei Blockchain insbesondere für Unternehmen interessant, deren Geschäftsmodelle auf Vertrauenspositionen basieren. "Ersetzen kann Blockchain Banken, Notare oder Wirtschaftsprüfer noch nicht. Die Technologie bietet aber gerade in diesem Bereich viel Potential", so Prinz.

Online-Handel
Für Anbieter von Online-Handelsplattformen ist Blockchain Chance und Herausforderung zugleich. Sichere Transaktionen zwischen Käufer und Verkäufer kann man direkt ohne zusätzlichen Schutz durch den Plattformbetreiber abwickeln. "Mit der Blockchain-Technologie könnte man eine neue Generation des Internets begründen. Zum Internet der Dinge, von dem wir zurzeit sprechen, kommt ein Internet des Vertrauens hinzu", glaubt Prinz.

Logistik
Für die Logistik-Branche ist Blockchain ebenfalls attraktiv: Eine lückenlose Dokumentation von Transportketten garantiert die Echtheit des versendeten Objekts. "Für Diamantentransporte gibt es bereits eine Blockchain-Lösung", so Prinz. Herkunft und Transportwege von Medikamenten oder Lebensmitteln ließen sich mit Hilfe von Blockchain ebenfalls sicher nachweisen und überprüfen, ob beispielsweise die Kühlung während des gesamten Transports gewährleistet war.

"In Zusammenarbeit mit unseren Workshop-Teilnehmern haben wir zahlreiche mögliche Anwendungen identifiziert. Wir arbeiten zwar erst mit Prototypen, aber die Entwicklung kann sehr schnell gehen. Es ist daher wichtig, jetzt zu handeln, Geschäftsmodelle an die neue Technologie anzupassen und Prozesse mit ihrer Hilfe zu optimieren", betont Fridgen.

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HH

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