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20. August 2025

Cloud: Europäische Alternative

Ist DataHub Europe die europäische Antwort auf Hyperscaler?

Mit dem DataHub Europe starten Schwarz Digits und die Deutsche Bahn ein Projekt, das den Anspruch hat, eine souveräne, sichere und DSGVO-konforme Alternative zu den Plattformen der großen Tech-Konzerne zu schaffen: Jetzt geht mit AuditGPT auch schon die erste produktive Anwendung an den Start.

Europäische Alternativen: „Wir wollen eine Alternative zu Big Tech schaffen“

Christian Müller, Co-CEO von Schwarz Digits, bringt die Ambition auf den Punkt: „Mit dem DataHub Europe schaffen wir eine europäische Alternative zu Plattformanbietern, die unsere Werte nicht teilen.“ Der Kern der Plattform ist ein hochsicherer Datenraum, der Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen erlaubt, Daten DSGVO-konform auszutauschen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Data & AI Workbench, eine Art digitale Werkzeugkiste mit Standards, Toolsets und skalierbaren Rechenressourcen.

Das Ziel ist klar: Innovationszyklen verkürzen, Kosten senken, Zusammenarbeit fördern – und gleichzeitig die Resilienz und die digitale Souveränität Europas stärken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gründung: DataHub Europe GmbH mit Sitz in Heilbronn und Zweigstelle in Berlin
  • Ziel: Einen sicheren, rechtskonformen und souveränen Datenraum für Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Forschung bereitzustellen.
  • Führung: Doppelspitze aus Eicko Schulz-Hanssen und Dr. Julian Kopmann
  • Partner: Schwarz Digits, Deutsche Bahn, Helaba
  • Branchenfokus: Mobilität, Maschinenbau, Finanzen, Medien

KI-Betrieb in Europa: Vom Pilotprojekt zum Produktivbetrieb

Wie das funktionieren kann, zeigt der erste reale Anwendungsfall: AuditGPT. Der KI-gestützte digitale Prüfassistent unterstützt Mitarbeitende in der Revision bei der Erstellung von Prüfberichten. Nach einer erfolgreichen Pilotphase läuft das Tool bereits produktiv bei Schwarz Digits und der Deutschen Bahn.

Es beschleunigt Prozesse, entlastet Teams und bleibt dabei innerhalb eines sicheren, DSGVO-konformen Rahmens. AuditGPT soll nun weiterentwickelt werden – mit dem Ziel, daraus eine marktfähige Lösung zu formen, die auch andere Unternehmen einsetzen können.

Branchen im Visier: Medien, Mobilität, Maschinenbau, Finanzen

Doch der DataHub will mehr sein als eine technische Infrastruktur. Das Joint Venture zielt bewusst auf konkrete Branchenlösungen ab. Medien, Mobilität, Maschinenbau und Finanzen stehen als erste Sektoren auf der Agenda. Sie alle profitieren stark von standardisierten, sicheren Datenräumen – sei es in der Produktionsplanung, in der Verkehrssteuerung oder bei Finanztransaktionen.

Ein Marktplatz für kuratierte Datenprodukte soll zusätzlich neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Das Versprechen: Daten müssen nicht mehr isoliert in Silos verharren, sondern können mehrfach und sinnvoll genutzt werden – ohne Kontrollverlust.

Helaba steigt ein: Ein Signal für den Finanzsektor

Mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat DataHub Europe einen strategischen Partner aus dem Finanzsektor gewonnen. Gemeinsam wollen beide Partner Lösungen entwickeln, die digitale Souveränität im Bankwesen stärken.

Geplant sind branchenspezifische Anwendungen, digitale Marktplatzlösungen und KI-gestützte Tools – stets auf Basis von Open Source, transparenten Prozessen und strengen europäischen Datenschutzstandards.Doppelspitze mit Erfahrung: Schulz-Hanssen und Kopmann

Was bringt die Helaba mit?

  • Einer der führenden Finanzdienstleister für den öffentlichen Sektor

  • Schwerpunkt auf Sicherheit, Vertrauen und regulatorischer Konformität

  • Ziel im Projekt: Stärkung der digitalen Souveränität im Finanzwesen

Diese Doppelspitze steht für die Mischung aus Unternehmertum, Technologie-Expertise und Industrieerfahrung, die das Projekt braucht, um nicht nur auf dem Papier erfolgreich zu sein.

Standort: Heilbronn und Berlin – KI-Exzellenz und Nähe zur Politik

Auch der Standortmix zeigt, wie ernst es den Beteiligten ist. Hauptsitz des DataHub Europe ist Heilbronn – eine Region, die sich in den letzten Jahren zu einem dynamischen KI-Standort entwickelt hat. Eine Zweigstelle in Berlin schafft gleichzeitig Nähe zu Politik, Verwaltung und der lebendigen KI-Community der Hauptstadt.

Ein fünfköpfiger Beirat, besetzt mit Vertreter:innen der Gründungspartner und einem unabhängigen Mitglied, übernimmt die strategische Kontrolle.

Europas Chance für Digitale Souveränität – oder nur ein weiteres Projekt?

Die Frage bleibt: Kann der DataHub Europe zu einer echten Alternative zu den globalen Plattformen werden? Skeptiker:innen erinnern an frühere europäische Digitalprojekte, die mit großen Ankündigungen starteten, aber wenig Wirkung entfalten konnten. Doch der Zeitpunkt könnte diesmal günstiger sein: Unternehmen und öffentliche Einrichtungen suchen nach Wegen, ihre Daten sicher und souverän zu nutzen, ohne in Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern zu geraten.

Für die Deutsche Bahn jedenfalls ist der DataHub schon heute mehr als ein Prestigeprojekt. Dr. Daniela Gerd tom Markotten, Vorständin Digitalisierung und Technik, betont: Der DataHub Europe ist für die Deutsche Bahn ein weiterer wichtiger Baustein, um eigene KI-Projekte - von der präventiven Instandhaltung über die Energieoptimierung bis zur Qualitätssicherung - schneller, skalierbar und dabei rechtssicherin den Betrieb zu bringen“.

Was bedeutet das für Unternehmen?

Für Unternehmen, die Wert auf Resilienz, Unabhängigkeit und Souveränität legen, eröffnet der DataHub Europe gleich mehrere spannende Perspektiven. Zum einen könnte er den Weg für sichere, branchenspezifische KI-Lösungen ebnen, die nicht auf US-amerikanischen oder chinesischen Infrastrukturen basieren. Zum anderen verspricht er, durch standardisierte Schnittstellen und offene Ansätze echte Kollaboration zu fördern – etwas, das im europäischen Kontext oft fehlt.

Doch genau hier liegt auch die Herausforderung: Nur wenn es gelingt, die Community frühzeitig einzubinden, Standards transparent zu gestalten und reale Mehrwerte zu liefern, wird DataHub Europe mehr als ein weiteres politisches Leuchtturmprojekt sein. Für die IT-Community ist das Joint Venture damit beides: eine Chance und ein Testfall.

Konferenzen zu Digitaler Souveränität und weitere Informationen

Wer Erfahrungsberichte und praxisbewährte Ansätze zu europäischen Alternativen und Digitaler Souveränität sucht, wird im Konferenzprogramm der IT-Tage, der Jahreskonferenz des Fachmagazins Informatik Aktuell fündig. Von der Migration einer Kundeninfrastruktur von AWS zu IONOS oder dem nahtlosen Umzug einer geschäftskritischen Anwendung mit 15.000 Nutzern bis hin zum Führen kritischer IT-Projekte gibt es umfassende Praxisberichte und Best Practices.

Dazu haben die IT-Tage eine eigene Sub-Konferenz zu Digitaler Souveränität. Wer sich für die IT-Tage anmeldet, kann an allen Veranstaltungen dieser Sub-Konferenz teilnehmen.

Fazit: Ein ambitionierter Aufbruch

Mit der Gründung der GmbH, der klaren Branchenfokussierung, ersten Partnern wie der Deutschen Bahn und der Helaba und einer produktiven Anwendung wie AuditGPT hat der DataHub Europe eine solide Basis gelegt. Entscheidend wird sein, wie schnell die Plattform in der Praxis ankommt und ob sie das Vertrauen von Unternehmen, Forschung und Verwaltung gewinnen kann.

Europa hat hier die Chance, ein eigenes Ökosystem für Daten und KI zu etablieren – ein Gegenentwurf zu Big Tech, der auf Transparenz, Sicherheit und Souveränität setzt. Ob daraus eine Erfolgsgeschichte wird, entscheidet sich in den nächsten Jahren.

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