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04. September 2025

Digitale Souveränität: Europas digitales Paradoxon

Europäer fürchten Datenklau – handeln aber kaum

Europa ringt um seine digitale Unabhängigkeit: Während die Cloud-Infrastruktur bislang von amerikanischen und asiatischen Anbietern dominiert wird, wächst der Ruf nach souveränen Alternativen. Eine neue Studie von Schwarz Digits zeigt: Die große Mehrheit in Europa blickt mit Sorge auf ihre digitale Sicherheit – schützt sich aber nur unzureichend. Warum die Frage nach einer europäischen Cloud mehr ist als ein technisches Detail und welche Lösungen es gibt.

Europa steht vor der Herausforderung, seine digitale Unabhängigkeit zu sichern. Noch wird die Cloud-Infrastruktur maßgeblich von Anbietern aus den USA und Asien geprägt, doch der Bedarf an souveränen europäischen Alternativen wächst spürbar. Eine aktuelle Studie von Schwarz Digits verdeutlicht: Zwar äußert die Mehrheit der Europäer:innen große Sorgen um Datensicherheit und digitale Risiken, gleichzeitig jedoch bleibt das individuelle Schutzverhalten oft unzureichend. Vor diesem Hintergrund wird die Frage nach einer europäischen Cloud zu einem strategischen Thema – weit über technische Aspekte hinaus.

Ergebnisse der Studie zu Digitaler Souveränität

Laut der Befragung von 14.000 Menschen in 14 Ländern äußern 88 Prozent Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und Privatsphäre bei der Nutzung von Streaming-Diensten, sozialen Netzwerken und Online-Shops. 65 Prozent machen sich zudem große Sorgen über mögliche Cyberangriffe auf demokratische Prozesse und ihr Privatleben.

Die Angst ist nicht unbegründet: 18 Prozent der Haushalte waren bereits von Identitäts- oder Datendiebstahl betroffen, 17 Prozent berichten von betrügerischem Kreditkartenmissbrauch. Und 37 Prozent kennen jemanden im persönlichen Umfeld, der Opfer eines Cyberangriffs wurde. Die Verantwortung sehen die Befragten gleichermaßen bei sich selbst und bei den Unternehmen, die ihre Daten verarbeiten.

Besonders kritisch: Nur 31 Prozent der Europäer vertrauen darauf, dass staatliche Stellen ihre digitale Identität wirksam schützen. Deutlich höher liegt das Vertrauen in europäische Unternehmen (72 Prozent). Anbieter aus den USA (20 Prozent) oder China (8 Prozent) schneiden hingegen schwach ab.

Auch die praktischen Schutzmaßnahmen bleiben hinter den Sorgen zurück: Zwar setzen 82 Prozent auf starke Passwörter, doch nur 59 Prozent nutzen Zwei-Faktor-Authentifizierung und lediglich 19 Prozent ein VPN. Eine private Cyberversicherung haben gerade einmal 10 Prozent abgeschlossen.

Hinzu kommt, dass Vorfälle meist erst spät ans Licht kommen: In 57 Prozent der Fälle entdecken Betroffene selbst den Missbrauch ihrer Daten. Nur 29 Prozent erfahren von Unternehmen, dass ihre Informationen kompromittiert wurden. Und nicht einmal jede:r Zweite meldet den Vorfall den Behörden.

Die Studie macht deutlich: Europa lebt mit einer wachsenden digitalen Unsicherheit – zwischen starker Furcht, schwachem Vertrauen in Institutionen und zögerlichem Handeln der Einzelnen.

Weckruf: Jetzt Risiken analysieren

„Cybersicherheit ist längst kein abstraktes Konzept mehr, sondern eine spürbare Furcht, die den Alltag der Europäer beeinflusst“, sagt Dr. Alexander Schellong, Geschäftsführer des Instituts für Cybersicherheit und Digitale Souveränität bei Schwarz Digits. Die Ergebnisse seien ein deutliches Misstrauensvotum gegenüber Regierungen und Unternehmen.

Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits meint dazu: "Unsere Ergebnisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Die Europäer leben zunehmend in Furcht vor digitalen Bedrohungen. Gleichzeitig fehlt es an Alternativen zur digitalen Abhängigkeitsfalle aus dem Ausland." Seiner Meinung nach ist das Ergebnis der Studie ein Weckruf für Einzelpersonen sowie für Unternehmen und Regierungen, diese Kluft zu überbrücken und in souveräne digitale Lösungen zu investieren.

Dass das IT-Management handeln sollte, meint auch Andrea Held. Die Softwarearchitektin leitet die IT-Tage, die Jahreskonferenz des Fachmagazins Informatik Aktuell. "Wer den Kopf in den Sand steckt und hofft, dass alles einfach gut geht, handelt fahrlässig", meint sie. Unternehmen sollten jetzt eine aktuelle Risikoanalyse durchführen und gegebenenfalls Maßnahmen ableiten.

Konferenzen zu Digitaler Souveränität

Wer Erfahrungsberichte und praxisbewährte Ansätze zu europäischen Alternativen und Digitaler Souveränität sucht, wird im Konferenzprogramm der IT-Tage, der Jahreskonferenz des Fachmagazins Informatik Aktuell fündig. Von der Migration einer Kundeninfrastruktur von AWS zu IONOS oder dem nahtlosen Umzug einer geschäftskritischen Anwendung mit 15.000 Nutzern bis hin zum Führen kritischer IT-Projekte gibt es umfassende Praxisberichte und Best Practices.

Dazu haben die IT-Tage eine eigene Sub-Konferenz zu Digitaler Souveränität ins Leben gerufen. Wer sich für die IT-Tage anmeldet, kann an allen Veranstaltungen dieser Sub-Konferenz teilnehmen.

Die IT-Tage inklusive der Konferenz "Digitale Souveränität" finden vom 08. bis 11.12.2025 im Kap Europa, dem Kongresshaus der Messe Frankfurt statt.

Weitere Konferenzen sind:

Das Wesentliche in Kürze

  • Eine repräsentative Studie mit 14.000 Europäer:innen verdeutlicht die Bedenken der Bürger hinsichtlich digitaler Bedrohungen und der Souveränität ihrer Daten.
  • Maßgebliche Sorgen sind der Diebstahl der eigenen Identität, finanzielle Unwägbarkeiten und die Auswirkungen von Cyberangriffen auf die Demokratie.
  • Konferenzen wie "Digitale Souveränität", eGov-Labtalk "Digitale Souveränität im Verwaltungskontext" und CIVI/CON – Kongress "Digitale Souveränität in Kommunen" klären auf.

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