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14. April 2026

IT-Tage: So werden Einreichungen kuratiert

Einblick in den Auswahlprozess des Konferenzprogramms

Wenn die Einreichungsphase für die IT-Tage abgeschlossen ist, beginnt einer der spannendsten und zugleich anspruchsvollsten Prozesse der gesamten Konferenzplanung: die Kuratierung der eingereichten Talks. Mit rund 800 Einreichungen aus unterschiedlichsten Bereichen der Softwareentwicklung, IT-Architektur, Cloud, DevOps und IT-Security entsteht eine enorme inhaltliche Vielfalt – und genau diese Vielfalt sinnvoll zu einem umfassenden Konferenzprogramm zusammenzustellen, ist die zentrale Aufgabe des Kuratoriums. Qualität und Tiefgang sind dabei zentrale Kriterien der IT-Tage.

Die IT-Tage verstehen sich nicht nur als Konferenz, sondern als kuratierte Wissensplattform für die deutschsprachige IT-Community. So ist die Auswahl der Vorträge kein rein organisatorischer Schritt, sondern ein Gestaltungsprozess: Welche Themen sind besonders relevant? Wo gibt es neue Entwicklungen? Welche Sessions ergänzen sich gut? Und wie entsteht ein Programm, das sowohl Tiefe als auch Breite bietet?

Im Folgenden wird beschrieben, wie aus einer Vielzahl an Einreichungen ein stimmiges Konferenzprogramm entsteht – von der ersten Sichtung bis zur finalen Agenda.

1. Einleitung

Im Rahmen des Call for Papers werden Referent:innen eingeladen, Vortragsvorschläge in standardisierter Form einzureichen. Diese umfassen in der Regel Titel, Abstract, Zielgruppenbeschreibung, Lernziele sowie eine thematische Einordnung.

Die Gesamtheit der Einreichungen bildet einen heterogenen Datenraum hinsichtlich Themen, Abstraktionsniveau und methodischer Tiefe. Diese Vielfalt stellt die Grundlage für die spätere inhaltliche Breite des Konferenzprogramms dar.

2. Einreichungsphase (Call for Papers)

Der Call for Papers (CfP) der IT-Tage bildet den formalen Ausgangspunkt des Programmgestaltungsprozesses. In dieser Phase werden Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis dazu eingeladen, Vorträge, Workshops und andere Formate zu aktuellen Themen der Softwareentwicklung, Architektur, IT-Betrieb und IT-Sicherheit einzureichen. Der CfP definiert dabei sowohl den thematischen Rahmen als auch die organisatorischen und inhaltlichen Anforderungen an die Einreichungen.

Die Einreichungsphase ist durch eine hohe inhaltliche Diversität gekennzeichnet. Beiträge reichen typischerweise von praxisorientierten Erfahrungsberichten über architekturbezogene Fallstudien bis hin zu tiefgehenden technischen Analysen spezifischer Technologien oder Methoden. Diese Heterogenität stellt eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Programmvielfalt dar, führt jedoch zugleich zu einer erheblichen Komplexität im Auswahlprozess.

Formal umfassen die Einreichungen in der Regel strukturierte Abstracts, Angaben zu Lernzielen, Zielgruppenorientierung sowie eine Beschreibung der inhaltlichen Tiefe des geplanten Vortrags. Diese Metadaten dienen dem Kuratorium als erste Grundlage für die spätere Bewertung und Einordnung der Beiträge.

Der CfP der IT-Tage startet jedes Jahr am 1. März. Er endet am 30. April. Noch ein Tipp: Es lohnt sich, frühzeitig einzureichen. Dem Kuratorium werden die Einreichungen in der Reihenfolge ihres Eingangs vorgelegt. Bei rund 800 Einreichungen und nur etwas mehr als 200 frei zu belegenden Vortragsslots ist die Auswahl schwer. Statistische Auswertungen zeigen, dass frühzeitig eingereichte Beiträge eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, in das Vortragsprogramm aufgenommen zu werden.

3. Formale Prüfung

Nach Abschluss des Call for Papers beginnt die Phase der ersten strukturierten Sichtung der eingereichten Beiträge für die IT-Tage. Diese Phase dient primär der formalen und inhaltlich-thematischen Vorqualifizierung des gesamten Einreichungskorpus und stellt damit einen wesentlichen Schritt der weiteren Kuratierung dar.

Zunächst erfolgt eine formale Prüfung der Einreichungen hinsichtlich ihrer Vollständigkeit und strukturellen Konsistenz. Dabei wird insbesondere überprüft, ob alle erforderlichen Informationen vorliegen, etwa Abstract, Titel, Zielgruppenbeschreibung, Lernziele sowie Angaben zur vorgesehenen Vortragsart. Ebenso Bestandteil dieser Prüfung ist die Plausibilität der angegebenen Themenzuordnung. Ziel ist es, eine konsistente Datengrundlage für die nachgelagerte inhaltliche Bewertung sicherzustellen und formale Unschärfen frühzeitig zu identifizieren.

Ein weiterer Bestandteil der ersten Sichtung ist die Identifikation von Einreichungen, die nicht dem inhaltlichen oder qualitativen Profil der Konferenz entsprechen. Dies kann beispielsweise unzureichend spezifizierte Beiträge, rein werbliche Inhalte oder thematisch nicht passende Vorschläge betreffen. Ziel dieses Schrittes ist es, die Qualität und Kohärenz der weiteren Bewertungsprozesse sicherzustellen und die Grundlage für eine fokussierte Programmkuratierung zu schaffen.

4. Der Auswahlprozess: Bewertung durch das Kuratorium

Nun werden die Wahlunterlagen aufbereitet und gehen den Mitgliedern des Kuratoriums zu. Diese wählen aus den Einreichungen ihre Top-Beiträge aus. Die inhaltliche Bewertung der eingereichten Beiträge für die IT-Tage erfolgt durch ein interdisziplinäres Kuratorium. Dieses setzt sich aus Expert:innen unterschiedlicher Teilgebiete der Informationstechnologie zusammen, darunter Softwareentwicklung, Softwarearchitektur, DevOps, Cloud-Engineering sowie IT-Security. Ziel dieser Zusammensetzung ist es, eine möglichst umfassende fachliche Perspektive im Bewertungsprozess sicherzustellen.

Das Kuratorium der IT-Tage ist bewusst heterogen strukturiert und vereint sowohl wissenschaftliche als auch praktische Expertise. Die Beteiligten verfügen über langjährige Erfahrung in ihren jeweiligen Fachgebieten sowie über eine tiefgreifende Vertrautheit mit aktuellen technologischen Entwicklungen. Neben erfahrenen Expert:innen aus den jeweiligen Fachdomänen sind auch Vertreter:innen früher Karrierephasen Teil des Komitees, um zusätzliche Perspektiven einzubringen und den Blick auf Verständlichkeit, Lernkurven sowie die Zugänglichkeit der Beiträge zu erweitern. Diese Diversität ermöglicht eine differenzierte Betrachtung der Einreichungen aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln und trägt wesentlich zur Qualitätssicherung der Auswahlentscheidungen bei.

Die Bewertung der Beiträge erfolgt nach zentralen Dimensionen wie die fachliche Relevanz des Themas, die inhaltliche und methodische Qualität des Vortragskonzepts, der Grad des Praxisbezugs sowie der Innovationsgehalt der dargestellten Inhalte. Unter Relevanz wird insbesondere die Bedeutung eines Themas für aktuelle Entwicklungen in der IT verstanden. Qualität bezieht sich auf die strukturelle und inhaltliche Stringenz der Einreichung, während der Praxisbezug die Anwendbarkeit und Erfahrungsnähe der Inhalte bewertet. Der Innovationsaspekt umfasst schließlich den Neuigkeitsgrad sowie potenzielle Impulse für zukünftige Entwicklungen.

Ein zentrales Prinzip des Bewertungsprozesses ist das Mehr-Augen-Prinzip. Jede Einreichung wird unabhängig von mehreren Mitgliedern des Kuratoriums begutachtet, um subjektive Verzerrungen zu minimieren und eine höhere Objektivität der Entscheidungen zu gewährleisten.

5. Thematische Aggregation

Nach Abschluss der individuellen Bewertungsphase beginnt die konsolidierende Phase der thematischen Einordnung des Konferenzprogramms IT-Tage. Ziel dieses Arbeitsschrittes ist die systematische Zusammenführung der bewerteten Einreichungen zu kohärenten inhaltlichen Tracks und thematischen Schwerpunkten. Hierzu erstellt die Konferenzleitung zunächst ein Programmgerüst. 

Auf Basis der zuvor vorgenommenen Clusterung und qualitativen Bewertung werden inhaltlich verwandte Beiträge identifiziert und in größere Themenkomplexe überführt. Diese Strukturierung dient der Herstellung eines inhaltlich konsistenten Programms, das sowohl eine hohe thematische Kohärenz innerhalb einzelner Tracks als auch eine ausreichende Diversität zwischen den Tracks gewährleistet.

Ein zentrales Kriterium dieser Phase ist die inhaltliche Balance zwischen spezialisierten Vertiefungen und breiten Überblickssessions. Einerseits sollen fokussierte Tracks eine tiefergehende Auseinandersetzung mit spezifischen Technologien oder Methoden ermöglichen, andererseits muss das Gesamtprogramm so gestaltet sein, dass unterschiedliche Erfahrungsniveaus und Interessensschwerpunkte adressiert werden.

Darüber hinaus wird in dieser Phase verstärkt auf Redundanzvermeidung geachtet. Inhaltlich stark überlappende Beiträge werden hinsichtlich ihres komplementären Nutzens im Programmkontext bewertet, um eine unnötige Wiederholung ähnlicher Inhalte zu vermeiden und stattdessen eine möglichst hohe inhaltliche Spannbreite zu erreichen.

Die thematische Kuratierung stellt somit einen zentralen Schritt der Programmgestaltung dar, da sie die zuvor individuell bewerteten Beiträge in eine übergeordnete strukturelle Ordnung überführt und damit die Grundlage für die spätere zeitliche und organisatorische Planung des Konferenzprogramms bildet.

6. Qualitätssicherung

Im Anschluss an die thematische Strukturierung erfolgt eine vertiefte Phase der Qualitätssicherung und finalen Auswahlentscheidungen im Rahmen der Programmplanung der IT-Tage. Ziel dieses Arbeitsschrittes ist es, aus der strukturierten Gesamtheit der bewerteten und gruppierten Einreichungen ein konsistentes, qualitativ hochwertiges und inhaltlich ausgewogenes Konferenzprogramm zu finalisieren.

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Phase ist der systematische Vergleich inhaltlich ähnlicher oder konkurrierender Beiträge. Dabei werden Einreichungen, die ähnliche Themenfelder adressieren, hinsichtlich ihrer Tiefe, ihres Praxisbezugs, ihrer methodischen Stringenz sowie ihres didaktischen Aufbaus gegenübergestellt. Ziel ist es, jene Beiträge zu identifizieren, die den höchsten Erkenntnisgewinn für das Konferenzpublikum erwarten lassen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Spannungsfeld zwischen etablierten Grundlagen und aktuellen Trendthemen. Während innovative Technologien und neue Ansätze eine hohe inhaltliche Dynamik versprechen, ist zugleich sicherzustellen, dass grundlegende Konzepte und bewährte Praktiken angemessen berücksichtigt werden. Die Auswahlentscheidungen erfolgen daher stets im Sinne eines ausgewogenen Gesamtportfolios.

Darüber hinaus spielt die Verteilung der Inhalte über verschiedene Erfahrungsniveaus hinweg eine zentrale Rolle. Das Programm soll sowohl Einsteiger:innen als auch fortgeschrittene und hochspezialisierte Teilnehmer:innen adressieren. Diese didaktische Staffelung trägt wesentlich zur Zugänglichkeit und zugleich zur fachlichen Tiefe der Konferenz bei.

Die Qualitätssicherung umfasst zudem die kritische Prüfung der inhaltlichen Konsistenz über das Gesamtprogramm hinweg. Hierbei wird insbesondere darauf geachtet, dass keine systematischen Lücken in zentralen Themenfeldern entstehen und gleichzeitig eine Überrepräsentation einzelner Schwerpunkte vermieden wird. Auf diese Weise wird die strukturelle Balance des Programms gewährleistet und dessen wissenschaftlich-technische Qualität abgesichert.

7. Programmveröffentlichung

Die abschließende Phase der Programmkonzeption der IT-Tage umfasst die konsolidierte Zusammenstellung des finalen Konferenzprogramms. In diesem Schritt werden die zuvor selektierten, bewerteten und thematisch kuratierten Beiträge in eine zeitlich und organisatorisch konsistente Agenda überführt.

Zunächst erfolgt die Zuordnung der Vorträge zu konkreten Zeitslots und Räumen. Dabei sind neben inhaltlichen Aspekten auch organisatorische Randbedingungen zu berücksichtigen, insbesondere parallele Tracks, erwartete Publikumsgröße sowie die Vermeidung inhaltlicher Überschneidungen innerhalb simultan stattfindender Sessions. Ziel ist eine optimale Verteilung der Inhalte über den gesamten Konferenzzeitraum hinweg.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die formatbezogene Balance des Programms. Neben klassischen Vorträgen werden auch Workshops, interaktive Formate und ggf. spezialisierte Sessions so integriert, dass ein heterogenes didaktisches Spektrum entsteht. Diese Vielfalt trägt dazu bei, unterschiedliche Lern- und Interaktionsformen innerhalb der Konferenz zu adressieren und den Wissenstransfer zu intensivieren.

Abschließend wird das Gesamtprogramm in eine veröffentlichungsreife Form überführt. Dieser Schritt beinhaltet die formale Finalisierung der Agenda sowie die abschließende Qualitätskontrolle hinsichtlich Konsistenz, Verständlichkeit und struktureller Ausgewogenheit. Das Ergebnis ist ein in sich stimmiges Konferenzprogramm, das die zuvor definierten Qualitäts- und Tiefgangskriterien systematisch abbildet.

Alle Einreicher:innen werden abschließend über den Status informiert.

8. Resümee

Die Kuratierung der eingereichten Beiträge im Rahmen der IT-Tage IT-Tage stellt einen mehrstufigen, systematisch strukturierten Auswahlprozess dar, der weit über eine rein organisatorische Programmplanung hinausgeht. Sie ist als integrierter Bestandteil der inhaltlichen Profilbildung der Konferenz zu verstehen und prägt maßgeblich deren wissenschaftlich-technische Qualität.

Der gesamte Prozess – von der ersten Sichtung über die Bewertung durch ein interdisziplinär besetztes Programmkomitee bis hin zur finalen Programmkonsolidierung – ist darauf ausgerichtet, aus einer großen Heterogenität an Einreichungen ein kohärentes, ausgewogenes und qualitativ hochwertiges Gesamtprogramm zu entwickeln. Dabei werden sowohl inhaltliche Tiefe als auch thematische Breite systematisch berücksichtigt.

Besonders hervorzuheben ist die konsequente Orientierung an Qualitätskriterien wie fachlicher Relevanz, technischer Fundierung, Praxisbezug und Innovationsgrad. Diese Kriterien wirken nicht isoliert, sondern in ihrem Zusammenspiel und ermöglichen eine differenzierte Bewertung der Beiträge im Kontext des Gesamtprogramms.

Die Kuratierung erfüllt damit eine doppelte Funktion: Einerseits dient sie der Selektion geeigneter Beiträge, andererseits fungiert sie als redaktioneller Gestaltungsprozess, der aktiv die inhaltliche Ausrichtung der Konferenz formt. In diesem Sinne ist das finale Programm nicht lediglich eine Sammlung einzelner Vorträge, sondern das Ergebnis eines reflektierten, kollaborativen und qualitätsorientierten Entscheidungsprozesses.

Impressionen der IT-Tage

Jahreskonferenz des Fachmagazins Informatik Aktuell im Kap Europa, dem Kongresshaus der Messe Frankfurt am Main

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