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Dennis Gaida & Alexander Wiermann 26. Januar 2021

Digitale Transformation war gestern – Das volle Potenzial meiner Cloud nutzen

Produktivitätssteigerung für Unternehmen durch Low-Code-Lösungen

Die Digitalisierung ist ein Innovationsträger zur Steigerung der eigenen Leistungsfähigkeit im Unternehmen. Ein angesagter Treiber der schnellen Digitalisierung sind moderne Low-Code-Applikationsplattformen. Es ist ein unkomplizierter visueller Entwicklungsansatz für Anwender, die mit unterschiedlichsten Erfahrungsstufen über einfache Benutzeroberflächen moderne Web- und Mobile-Applikationen erstellen können. Die Bezeichnung "Low Code" in der Applikationssparte beschreibt die Verwendung von wenigen bis hin zu keinen Code-Zeilen – vergleichbar mit Produktivitätswerkzeugen wie OpenOffice Calc oder Microsoft Excel. Nicht-technische Entwickler werden entlastet, weil sie keinen komplizierten Code lernen müssen, während für professionelle Entwickler komplizierte Installationsroutinen abstrahiert werden. Die Entwicklung und Veröffentlichung von unternehmenskritischen Anwendungen erfolgen im Vergleich zu herkömmlichen Softwareentwicklungsprozessen in einem Bruchteil der Zeit.

Diese 5 Gründe sprechen für die Einführung einer Low-Code-Applikationsplattform:

  1. Erstellung produktiver Applikationen durch Fachabteilungen
  2. Kosteneinsparung bei der Applikationsentwicklung
  3. Unterstützung der eigenen Produkt- und Serviceinnovation
  4. Effizientere Gestaltung der Applikationsentwicklungsprozesse
  5. Mehr Mitarbeiter in die Lage versetzen, Applikationen zu entwickeln

Die in Abb. 1 dargestellten Produkte bilden die Power Platform ab. Führend im Bereich der Geschäftsdatenanalyse ist Power BI, das Daten aus einer Vielzahl von Quellen sammelt und interaktive umfassende Visualisierungen und Berichte erstellt. Für die App-Entwicklung steht Power Apps als Werkzeug zur Verfügung und beschleunigt die Entwicklungszeit von Monaten auf wenige Stunden. Ein besonderer Punkt sind die über 400 bereitgestellten Standardverbindungen zu externen Datenquellen, die sich nahtlos mit der erstellten Applikation integrieren lassen. Leistungsstarke Prozessautomatisierung bietet Power Automate, um komplett ohne Code mit beliebigen Apps und Diensten kommunizieren zu können. Power Virtual Agents bieten Anwendern die mühelose Erstellung von Chatbots, die Services anbieten und Anfragen für interne Anwender und externe Kunden auf natürliche Weise beantworten.

Neben den vier Produkten sind folgende übergreifende Funktionalitäten hervorzuheben:

  • Data Connectors, die aus einer Vielzahl vorkonfigurierter Verbindungen Daten in die verschiedenen Power-Platform-Produkte importieren
  • AI Builder, der es allen Anwendern erlaubt, Apps und Geschäftsprozesse mit Künstlicher Intelligenz zu unterstützen
  • Robotic Process Automation (RPA) für die Automatisierung von Anwendungen und Prozessabläufen

Lizenzierung ist manchmal ein steiniger Weg

Microsoft stellt umfangreiche Anleitungen bereit. An dieser Stelle werden aber nur die wichtigen Punkte und Grundprinzipien der Lizenzierung für die Power Platform vorgestellt. Wie ein Unternehmen den passenden Einstieg erhält, muss durch die richtigen Lizenzen gedeckt sein. Viele Unternehmen, die bereits über eine Cloud-Lizenzierung verfügen, kommen im kleinen Umfang in den Genuss, Anwendungen auf Low-Code-Basis zu entwickeln, zu automatisieren oder Visualisierungen von Daten vorzunehmen.

Die Nutzungs- und Lizenzrechte sind in den gängigen Office-365-Plänen bereits enthalten, decken aber nicht jeden Anwendungsfall ab. Für komplexere Szenarien und Datenauswertungen sind "Standalone-Lizenzen" erforderlich. Zusätzlich sind innerhalb der Lizenzen Grenzwerte für Kapazitäten des Speicherdienstes Dataverse und API Request, die eine Anzahl von Interaktionen und Ausführungen definiert, enthalten. Sind die Ressourcen erschöpft, stehen zusätzliche Kapazitäten zum Erwerb zur Verfügung, die kostenintensiv werden können.

Mit Blick auf die Anwendungsebene ist das Flussdiagramm als Hilfestellung und Orientierung zu verstehen. Eine Reihe von Faktoren beeinflussen die zu wählende Lizenz und sind mit folgenden Fragestellungen verknüpft:

  • Nutzung von Custom- oder Premium-Konnektoren?
  • Verwendung von komplexen und speicherbasierten Apps (Model Driven Apps)?
  • Anzahl der zu verwendenden Apps?
  • Kommunikation der Automatisierung außerhalb der erstellten Apps?
  • Ist Robotics Process Automation (RPA) ein Bestandteil?
  • Zusammenarbeit und Freigaben bei der Visualisierung von Daten?
  • Sind hohe Datenmengen, Rechenleistungen und Enterprise Analytics wichtig?  

Entwicklung und Automatisierung von Geschäftsanwendungen

Die Verwendung von Power-Apps- und Power-Automate-Funktionen mit den Office-365-Plänen ermöglicht es Benutzern, ohne zusätzliche Kosten Anwendungen zu erstellen und auszuführen. Das erlaubt die Integration und Verknüpfung der Cloud Services von SharePoint Online, Teams und Excel, um Prozesse zu automatisieren und verwendete Anwendungen besser zu nutzen. Ebenfalls sind Erweiterungen durch Standard-Konnektoren zu beispielsweise Outlook, OneDrive, SharePoint oder Twitter integriert.

Hat das Vorhaben einen höheren Detaillierungsgrad, bildet die "Power Apps per App"-Lizenz einen kostengünstigen Einstiegspunkt mit voller Funktionalität und ermöglicht Organisationen, mit maximal zwei Anwendungsszenarien zu beginnen. Die erweiterten Nutzungsrechte enthalten Premium- oder benutzerdefinierte Konnektoren zu weiteren Datenquellen, zum Beispiel SAP, Azure Services oder Facebook, und Zugriff auf den cloudbasierten Datenbankservice Dataverse. Zusätzlich beinhaltet jede Lizenz mehr Speicherplatz pro Benutzer und Rechte für die Automatisierung, die – wichtiger Punkt – nur im App-Kontext stehen dürfen.

Sind Applikationen in größerer Anzahl pro Benutzer geplant, ist eine "Power Apps per User"-Lizenz erforderlich, die keine Limitierungen bei vollen Funktionen bietet.

Wozu brauche ich noch Power-Automate-Lizenzen?

Unternehmen, die vollwertige, universell einsetzbare Workflow- und Automatisierungs-Funktionen benötigen, sollten den Erwerb von zusätzlichen Lizenzen in Erwägung ziehen. Zwar enthalten Power-Apps-Lizenzen Nutzungsrechte zum Zweck der Automatisierung, aber nur in Verbindung mit der erstellten Power-App-Anwendung. Wenn die Workflows außerhalb der Applikation laufen oder Zugriff auf Premium-Konnektoren benötigen, müssen zusätzliche Lizenzen erworben werden.

Die Lizenzierung Power Automate per User erlaubt es einzelnen Benutzern bei voller Funktionalität, unbegrenzt viele Workflows und Geschäftsprozesse zu erstellen, auszuführen und unterstützt die breite Einführung einer Automatisierungskultur in der Organisation.

Ist die Anzahl der Benutzer hoch, der Anwendungsfall geschäftskritisch und die Workflow-Kapazitäten gering, stellt Microsoft den "Power Automate per Flow"-Plan bereit. Das Modell eignet sich hervorragend für abteilungsübergreifende Szenarien, in denen typischerweise ein Power-User einen Workflow erstellt und diesen mit der breiteren Gruppe teilt. Dieser Plan verringert die Notwendigkeit, jedem Endbenutzer, der wissentlich oder unwissentlich die Ausführung des lizenzierten Ablaufs auslöst, eine Lizenz zu erteilen.

Als weiterer Zukunftstrend in Verbindung mit Legacy-Anwendungen und Automatisierung stehen Lizenzen mit RPA-Technologie zur Verfügung, die eine unbegrenzte Anzahl Workfows mittels "Power Automate per User with RPA"-Lizenz bereitstellt.

Besonderheit mit "Dynamics 365 Enterprise"-Lizenzen

Dynamics-365-Anwender können Power Apps und Power Automate in der Enterprise-Variante mit vollen Funktionen verwenden, solange die Anwendungen in der gleichen Umgebung wie die lizenzierte Dynamics-365-Applikation (wie Sales, Customer Service, Field Service) laufen. Jedoch erfordert die Verwendung eines externen Zugriffs außerhalb Dynamics zusätzliche Lizenzen.

Visualisierung der Daten

Der "Power BI Free"-Plan ist in den meisten Office-365-Plänen enthalten. Mit dem kostenlosen Plan stehen viele Funktionen bereit, um Dashboards zu erstellen, Verbindungen zu unterstützten, Datenquellen herzustellen oder Informationen nach Excel oder PowerPoint zu exportieren. Die Version bietet Benutzern allerdings nur die Analyse und Visualisierung des eigenen Bedarfs. Das gemeinsame Zusammenarbeiten durch Freigabe von Berichten oder Dashboards ist nicht enthalten.

Erst Power BI Pro ermöglicht einem Benutzer, mit anderen gleichwertig lizenzierten Benutzern zusammenzuarbeiten. Nur Benutzer mit Power BI Pro können Inhalte in App-Arbeitsbereichen veröffentlichen, Dashboards freigeben sowie Dashboards und Berichte abonnieren. Hat das Unternehmen die größeren "Office 365 E5"-Pläne, sind die Lizenzen Bestandteil des Abonnements.

Verwaltet und analysiert das Unternehmen riesige Datenmengen und ist auf Rechenleistungen angewiesen, hilft nur die "Power BI Premium"-Lizenz. Das Lizenzmodell liefert benutzerunabhängig dedizierte Kapazitäten, um hohe Leistungen und Unterstützung größerer Datenvolumen im Enterprise-Bereich bereitzustellen. Die feinen Unterschiede liegen in der Anzahl unterstützter Leistungen (V-Cores) in Form von "P1, P2, P3"-Lizenzen.

Digitale Assistenten durch Künstliche Intelligenz sind auch dabei

Die Anwendung Power Virtual Agents wird pro Tenant lizenziert und ist in keiner der bereits beschriebenen Lizenzen enthalten. Power Virtual Agents werden nach der Einheit der Anzahl von Sessions berechnet, deren Kapazitäten Erweiterungen bieten. Eine abgerechnete Sitzung bildet sich aus einer Interaktion zwischen dem Benutzer und dem Bot. Die in Rechnung gestellte Sitzung beginnt, wenn eine Anfrage ausgelöst wird, und endet, wenn eine der beiden Bedingungen erfüllt ist: Die Fragen des Benutzers sind beantwortet oder das Gespräch dauert länger als 60 Minuten. Zusätzliche Kapazitäten können jederzeit ergänzt werden.

Ein kleines Resümee

Die aufstrebenden Low-Code-Plattformen sind Hoffnungsträger im zweiten Schritt der Digitalen Transformation und treffen die Erwartungen der Unternehmen, Make-or-Buy-Entscheidungen von Anwendungen mit kurzen Entwicklungszeiten kostengünstig zu begegnen. Die Microsoft Power Platform ist in der Zukunft ein wichtiger Bestandteil und bietet die richtigen Werkzeuge für unterschiedlichste Erfahrungsstufen – vom Beginner bis zum Profi. Der Lizenzbedarf richtet sich angelehnt an das Vorhaben und dessen Anwendung. In Summe ist für jedes Szenario eine gezielte Lizenzierungsform vorhanden.

Autoren

Dennis Gaida

Dennis Gaida ist verantwortlich für die Konzeptionierung und Umsetzung von zukunftsweisenden Microsoft 365 basierenden Projekten für den Arbeitsplatz der Zukunft.
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Alexander Wiermann

Alexander Wiermann betreut in der Rolle des Partner Managers insbesondere die Microsoft-Partnerschaft, dessen Partnerprogramme und einige strategisch wichtige Hersteller von Softwareprodukten.
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