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30. April 2019

Bundesbank drängt auf europäische Alternativen zu US-Bezahldiensten

Die Bundesbank fordert europäische Alternativen zu den US-Bezahldiensten wie Paypal, Apple oder Amazon. Zudem soll in paydirekt investiert werden.

Ein kurzer Blick auf das Smartphone um den Kontostand zu überprüfen, kontaktlos bezahlen oder unterwegs eine Überweisung tätigen. Der Deutsche liebt sein Bargeld, wagt sich jedoch immer häufiger an Online-Bezahldienstleister. Der Haken laut Bundesbank: Alle gängigen Bezahldienste sind von großen US-Konzernen. Sie fordern daher europäische Alternativen zu den US-Bezahldiensten. "Es kann uns als Bundesbank nicht gleichgültig sein, wenn große Technologiekonzerne wie Apple, Google, Paypal und Amazon mehr und mehr die Kundenbeziehung übernehmen und den Banken lediglich noch die Rolle des Zahlungsabwicklers im Hintergrund bleibt", äußerte sich Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz in der Welt am Sonntag. Er appelliert deshalb an die Bankenwirtschaft, die heimischen Dienste, die dem Quasi-Duopol der Kreditkartenformen Visa und Mastercard sowie den US-Konzernen entgegentreten. "Mein Appell an die Branche ist: Überlegt euch, mit welchen Produkten ihr auf die Angebote von Apple & Co. antworten wollt", erklärt Balz der Zeitung.

Die deutsche Alternative: paydirekt

Seit August 2015 gehört paydirekt in die deutsche Online-Bezahllandschaft. Der Versuch, Paypal-Kunden durch Onlineshopping vom Bezahlsystem zu überzeugen, verlief bisher eher schleppend. Derzeit nutzen paydirekt rund 2,2 Millionen Kunden, Paypal hingegen 20,5 Millionen. Nun will, laut Handelsblatt, das Bankenkonsortium hinter paydirekt noch einmal 60 Millionen Euro in das System investieren – deutlich weniger als angenommen. Laut dem Bericht will sogar eine Gruppe privater Banken – u. a. ING, Santander und Targobank – seine Anteile an Paydirekt loswerden und an Deutsche Bank und Commerzbank übertragen.

Große Konkurrenz

Seit vergangenem Dezember ist Apple Pay auf dem deutschen Markt verfügbar. Unterstützung findet das Unternehmen bei den Geldinstituten Deutsche Bank, Hypo Vereinsbank, Fidor Bank, Comdirect und N26. Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen wollen sich nach anfänglichem Widerstand nun doch in diesem Jahr anschließen und eine Einbindung der Girokarte in den Bezahldienst ermöglichen. Google Pay hingegen umging die eher überschaubare Unterstützung deutscher Banken, indem sie Paypal miteinbezogen.

Aussicht auf Ertragsausfälle

Wenn sich deutsche oder europäische Banken weiterhin nicht gegen etablierte US-Bezahldienste durchsetzen, könnte dies zu Ertragsausfällen führen und die Finanzstabilität gefährden, so Balz. Ansässige Banken dürften nicht in eine Hintergrundrolle gedrängt werden, da es sonst auch Auswirkungen auf die Struktur des Bankensystems und den Wettbewerb am Markt haben könnte.

LG

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