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Jonas Grundler 10. Oktober 2023

Schrumpfende IoT-Landschaft

Strategien zur Sicherung der digitalen Transformation

In der dynamischen Welt der Technologie sind Beständigkeit und Anpassungsfähigkeit die Schlüssel zum Erfolg. Die rasante Evolution im IoT-Sektor wirft Fragen zur Nachhaltigkeit von Plattformen und zur Beständigkeit von IT-Infrastrukturen auf. Doch gerade in diesen unsicheren Zeiten liegen auch immense Chancen. Das Geheimnis? Flexibilität und vorausschauende Planung. Statt sich allein auf den gegenwärtigen Stand der Dinge zu verlassen, ist es unerlässlich, einen Blick in die Zukunft zu werfen und sich auf mögliche Veränderungen vorzubereiten. Mit der richtigen Strategie wird nicht nur das Überleben in einem sich ständig verändernden Umfeld sichergestellt, sondern auch die Chance ergriffen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Möglichkeiten zu nutzen. Es ist an der Zeit, proaktiv zu handeln und sich optimal auf zukünftige IoT-Herausforderungen vorzubereiten.

IoT-Plattformen als Bindeglied zwischen Hardware-Sensoren und Datenanalyse sind essenzieller Bestandteil einer IoT-Infrastruktur. Branchenspezifisch und -übergreifend sammeln und verarbeiten sie Daten von IoT-Geräten (Devices), um basierend auf diesen Daten neue Anwendungen zu ermöglichen. Beispielsweise können Unternehmen so wertvolle Einblicke gewinnen und bekommen Analysemöglichkeiten für vielfältige Szenarien. Darüber hinaus lassen sich die Plattformen zur Verwaltung, zur Integration und zum Monitoring von IoT-Geräten sowie für unterschiedlichste sicherheitsrelevante Aufgaben nutzen.

Leider sehen sich jedoch viele IoT-Plattformen mit der Gefahr einer schnellen Obsoleszenz konfrontiert. Denn die dynamische Natur der digitalen Technologie und die ständig zunehmende Konkurrenz in einem wachsenden Markt führen dazu, dass selbst etablierte Plattformen innerhalb kurzer Zeit vom Markt verschwinden können – ein Phänomen, das durchaus auch als "IoT-Plattform-Massensterben" bezeichnet werden kann.

Gefahr für die digitale Transformation

Unternehmen, die sich auf dem Weg der digitalen Transformation befinden, stellt das vor diverse Herausforderungen. Wie gehen sie mit der Unsicherheit bezüglich der Zukunft von IoT-Plattformen um? Prominente Beispiele zeigen, dass auch große IoT-Plattformen innerhalb kürzester Zeit verschwinden können. Wie lassen sich die Gefahren, die diese Volatilität für betroffene Unternehmen mit sich bringt, darlegen und qualifizieren? Ein Blick auf die Strategie einzelner Unternehmen hinsichtlich digitalisierter Prozesse, Datenhaltung und eingesetzter Tools zeigt auf, welche konkreten Szenarien die größten Risiken beinhalten. Es gilt, vorausschauend zu agieren und auf Strategien zu setzen, die die Abhängigkeit der Unternehmen von einzelnen IoT-Plattformen minimieren. Nur so gelingt es, Risiken in den Griff zu bekommen. Trotz aller Herausforderungen bergen solche Veränderungen aber auch Potenziale, nämlich dann, wenn Unternehmen die Strategien zur Risikominimierung als Chance zur Beschleunigung des Wandels nutzen.

Herausforderungen der digitalen Transformation

Die digitale Transformation ist ein komplexer Prozess, der jedes Unternehmen vor ungeahnte Probleme stellt. Sie erfordert nicht nur den Einsatz neuer Technologien, sondern auch eine tiefgreifende Veränderung der Unternehmenskultur und der Geschäftsmodelle. Unternehmen müssen neue Fähigkeiten erlernen, bestehende Prozesse optimieren und oft tief verwurzelte Arbeitsweisen überdenken. Dazu gehören das Management von Big Data, die Implementierung fortschrittlicher Analysetools, der Aufbau digitaler Infrastrukturen, die Gewährleistung von Datensicherheit und Datenschutz sowie die Motivation der Belegschaft, neue und digitale Arbeitsprozesse zu entwickeln und im Betriebsalltag einzusetzen. Die Nutzung einer IoT-Plattform stellt Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen. So erfordert bereits die Entscheidung für die passende IoT-Plattform eine genaue Prüfung, da sie weitreichende Auswirkungen auf die Effizienz, Sicherheit und Skalierbarkeit der IoT-Implementierung hat. Mit (immer noch) über 600 Plattformen im Markt ist die Auswahl nicht leicht zu treffen. Des Weiteren stellt die Integration von IoT-Geräten und -Plattformen in bestehende IT-Systeme eine technische Hürde dar. Je nach ausgewählter Plattform sind hierzu einige Entwicklungsarbeiten zu leisten.

Wie zukunftssicher sind auch weitsichtige Entscheidungen?

Es ist kein leichtes Unterfangen, IoT-Plattformen bezüglich ihrer Aktualität im Kontext von Standards, Protokollen und technologischer Entwicklung zu beurteilen. Dies ist aber unerlässlich, wenn es gilt, eine zukunftsfähige Entscheidung zu treffen. Denn IoT-Plattformen nehmen eine zentrale Rolle in der digitalen Transformation ein. Die Technologie entwickelt sich jedoch rasant – weshalb das Überleben von IoT-Plattformen heute mehr denn je Fragezeichen aufwirft. Was heute als fortschrittlich gilt, kann morgen schon veraltet sein. Hinzu kommt, dass der Markt für IoT-Plattformen (nach wie vor) hart umkämpft ist. Selbst etablierte Plattformen können schnell durch neue, innovativere Angebote ersetzt werden. Die Konsolidierung im IoT-Markt nach dem Hype tut ihr Übriges. Es ist daher ratsam, auf einen IoT-Plattformwechsel vorbereitet zu sein.

Das Verschwinden großer IoT-Plattformen

Die Auswirkungen des raschen Verschwindens von IoT-Plattformen sind bereits sichtbar. Die Beispiele IBM Watson IoT, SAP Internet of Things und Google Cloud IoT Core liefern eine konkrete Vorstellung davon, wie schnell IoT-Angebote vom Markt verdrängt werden können. Neben dem Wegfall ganzer Plattformen kann auch deren Verschmelzung mit größeren, umfassenderen Lösungen, bei denen die IoT-Funktionalität nur eine von vielen Eigenschaften ist, zu Problemen führen. Während der Hersteller seinen Aufwand reduzieren und effizienter gestalten kann, bleibt die IoT-Plattform auf der Strecke. Die Gründe hierfür reichen vom Sparzwang bis hin zur Konsolidierung aufgrund einer angepassten Strategie. Auch hierfür gibt es bereits Beispiele. Schaffen es also selbst etablierte Konzerne trotz anhaltender und wachsender Nachfrage nach IoT-Lösungen nicht, ihr Angebot erfolgreich am Markt zu platzieren? Ja und nein. Dauernder intensiver Wettbewerb, Kostendruck und ambitionierte Gewinnerwartungen führen zu einer natürlichen Auslese. Auf der anderen Seite entstand in den Jahren des IoT-Hypes ein Überangebot von Produkten, das nun obsolet wird.

Risiken und Herausforderungen

Unerheblich, warum eine IoT-Plattform nicht mehr weitergeführt wird, ihr Verschwinden kann für die darauf angewiesenen Unternehmen erhebliche Konsequenzen haben. Es besteht die Gefahr von Betriebsunterbrechungen mit direkten wirtschaftlichen Konsequenzen. Zudem erzeugt der Wechsel zu einer anderen IoT-Plattform beträchtlichen Aufwand, da es dann heißt, neue Systeme zu implementieren und Mitarbeiter zu schulen. Treten aufgrund von Umstellungen Störungen auf, leidet in der Konsequenz das Vertrauen der Kunden. Die Summe dieser Risiken erschwert die Entscheidung für ein langfristiges Commitment, in eine Plattform zu investieren. Finanzielle Ressourcen, aber auch Zeit gehen womöglich verloren, wenn Unternehmen gezwungen sind, die Plattform zu wechseln. Zudem drohen neue Kosten. Das kann sowohl den Erwerb und die Implementierung einer neuen Plattform als auch indirekte Kosten wie Schulungen, Datenmigration und potenzielle Betriebsunterbrechungen beinhalten. Ein Plattformwechsel ist also bisweilen teuer und komplex, insbesondere wenn bereits erhebliche Investitionen in die ursprüngliche Plattform geflossen sind.

Auswirkungen eines IoT-Plattformwechsels minimieren

Um die Folgen eines plötzlichen Verschwindens einer IoT-Plattform zu mildern oder sogar zu nutzen, müssen Unternehmen proaktive Strategien entwickeln, die ihre Abhängigkeiten minimieren und gleichzeitig ihre digitale Transformationsstrategie unterstützen. Das heißt: IoT-Know-how aufbauen, offene Standards und Architekturen einsetzen, transparente und klare Strukturen nutzen.

Die wichtigsten Empfehlungen dazu im Einzelnen:

  1. IoT-Know-how vorhalten und die aktuelle Lösung verstehen: Das Wissen rund um die Lösung muss detailliert dokumentiert sein, sodass es sich bei Bedarf weiterentwickeln oder auf eine andere Plattform umziehen lässt. Eine kontinuierliche Betrachtung der IT (intern oder extern) stellt sicher, dass die aktuelle Lösung den Stand der Technik beibehält – und so jederzeit auf neue Anbieter umgestellt werden kann.
  2. Verwenden interoperabler Tools und offener Standards: Dies erhöht die Möglichkeiten, die im Fall eines Umzugs von einer IoT-Plattform zur anderen existieren. Beispiele hierfür sind: MQTT und OPC UA zur Kommunikation von IoT-Daten, Standard-Architekturen wie Sensor/Gateway/Cloud, Nutzung von Analysetools und Frameworks, die nicht an eine IoT-Plattform gebunden sind.
  3. Nicht alles auf eine Karte setzen: Die (IoT-)Datenkrake, die – jeweils undokumentiert – zu allen Systemen Schnittstellen nutzt und hier und da in Unternehmensprozesse eingebunden ist und so zu einem unternehmensweiten Risiko wird, ist zu vermeiden. Dem entgegenzuwirken, heißt beispielsweise:
  • Transparenz über die Systeme und deren Interaktion herstellen
  • Nutzung der IoT-Plattform für klar definierte Aufgabenbereiche, beispielsweise Device Management, einfache Visualisierungen von Informationen oder Alarming
  • Einsatz dedizierter Tools, Frameworks und Systeme für langfristige Datenspeicherung, Unternehmensprozesse, komplexere Datenanalysen
  • APIs sind King: Der API-Hype ist zwar vorüber, APIs (Schnittstellen) zur Interaktion zwischen Systemen sind jedoch mittlerweile Standard und sollten flächendeckend zum Einsatz kommen. Dadurch bleibt die Infrastruktur flexibel und einfach anpassbar
  1. Risikoanalysen: Erstellung einer Beschreibung zu den Funktionen, die ein System aufweist und den Auswirkungen, die ein Wegfall haben kann. Diese enthält auch Aussagen über die Wahrscheinlichkeit dafür und aktualisiert in regelmäßigen Abständen beziehungsweise vor jeder Systemänderung das Risikopotenzial. Hierbei lohnt es sich, etwaige Wechselkosten mit dem besonderen Nutzen einer Lösung zu vergleichen und im zweiten Schritt mit der Wechselwahrscheinlichkeit in Relation zu setzen. Die Vier-Felder-Matrix von IT-Architekturberater Gregor Hohpe bietet hierfür eine hilfreiche Unterstützung [1].
  2. Notfallplan: Für hohe Risiken, die das Unternehmen aufgrund eines großen Nutzens akzeptiert, beispielsweise bei Einsatz einer hochspezialisierten IoT-Plattform, sollte stets ein aktueller Notfallplan vorhanden sein. Dieser beschreibt, welche Alternativlösungen es gibt und wie diese im Bedarfsfall zum Einsatz kommen.

Diese proaktiven Schritte tragen dazu bei, das Risiko des IoT-Plattform-Massensterbens zu managen und den Weg für eine nachhaltige und robuste digitale Transformationsstrategie zu ebnen.

Chancen und Möglichkeiten der digitalen Transformation

Aus den Risiken und Unsicherheiten, die mit dem Sterben von IoT-Plattformen einhergehen, ergeben sich jedoch auch erhebliche Chancen. Paradoxerweise wird genau dadurch die Innovationskraft von Unternehmen gestärkt. Denn durch das Minimieren von Abhängigkeiten werden sie resilienter, offener und transparenter. Unternehmen, die diese Herausforderung annehmen und ihre digitalen Strategien und Prozesse stetig überdenken und verbessern, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil: Sie werden in der digitalen Welt als selbstbewusster Teilnehmer wahrgenommen, welcher seine Mehrwerte für Kunden auch digital zur Verfügung stellt. Sie tun dies auf Basis einer robusten Infrastruktur – ohne Gefahr zu laufen, bei einem kleinen digitalen Erdbeben Risse zu bekommen.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Überlebensfähigkeit von IoT-Plattformen birgt Unsicherheiten, woraus sich aber auch Chancen ergeben. Unternehmen, die eine nachhaltige digitale Transformationsstrategie entwickeln, minimieren ihre Abhängigkeit von einzelnen Plattformen. Dies lässt sich durch eine Vielzahl von Maßnahmen erreichen, einschließlich Investitionen in Interoperabilität und Notfallplanung. Die Konsolidierung der IoT-Plattformen schreitet weiter voran. Es bleibt unsicher, welche IoT-Plattformen sich durchsetzen und welche einem Strategiewechsel der IoT-Plattformhersteller oder schlicht dem Markt zum Opfer fallen. Diese Chance sollten Unternehmen nutzen, um sich dauerhaft robust und resilient auszurichten. In der realen Welt wurde dies bereits erfolgreich umgesetzt – es empfiehlt sich, dies ebenfalls im digitalen Pendant zu tun. Bei komplexen digitalen Vorhaben ist es ratsam, auf die Erfahrung spezialisierter IT-Dienstleister zurückzugreifen. Diese können dank ihrer Erfahrung zu besseren Entscheidungen beitragen.

Quelle
  1. Martin Fowler: Don't get locked up into avoiding lock-in (Gregor Hohpe: Vier-Felder-Matrix)

Autor

Jonas Grundler

Jonas Grundler ist seit 2011 als Senior Managing Consultant bei Novatec in der Kundenberatung tätig. Dabei geht es ihm insbesondere darum, die Innovationskraft und Kreativität der Kunden zu stärken – Stichwort Enabling Innovation.…
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